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Active Sourcing: Personaler vor dem Rollenwechsel

Active Sourcing: Personaler vor dem Rollenwechsel

Ein leergefegter Arbeitsmarkt bringt immer mehr Recruiter dazu, in sozialen Netzwerken und Lebenslaufdatenbanken aktiv nach Kandidaten zu suchen. Active Sourcing heißt das in der Fachsprache von Recruitern. Auf Deutsch: Die Direktansprache von Kandidaten beispielsweise über Lebenslaufdatenbanken oder Soziale Medien. Worauf kommt es dabei an? Das erklärt Monster-Experte William B.Otero in unserem Videointerview. Lesen Sie außerdem, was die aktuelle Studie „Recruiting Trends 2017“ zu Active Sourcing in den Sozialen Medien sagt.

Von Sonja Dietz

Social Media bestimmen seit nunmehr fast zehn Jahren große Teile der Recruiting-Diskussion und sind im Tagesgeschäft inzwischen fest verankert. Zu diesem Ergebnis kommen die Wissenschaftler der Universität Bamberg, die jährlich gemeinsam mit Monster die aktuellen Recruiting Trends unter die Lupe nehmen.

Active Sourcing: Die Ergebnisse der Studie Recruiting Trends 2017

Der aktuellen Studienausgabe zufolge bewerten mittlerweile sieben von zehn der Top-1.000-Unternehmen Social-Media-Anwendungen im Rahmen des Active Sourcing in der Rekrutierung als positiv, während unter den mittelständischen Unternehmen 36,6 Prozent den Einsatz von XING, Facebook und Co. als positiv beurteilen.

Analog finden es zwei Drittel der Kandidaten gut, wenn Unternehmen Social-Media-Anwendungen in der Personalbeschaffung einsetzen. Gerade für die junge Generation wird Social Media verstärkt im Active Sourcing eingesetzt. Welche Möglichkeiten hier bestehen, erläutert unser Monster-Experte William B. Otero in unserem Videointerview.

Die Kunde, dass es verstärkt notwendig ist, in Social Media präsent zu sein, um Kandidaten aus der Generation Y rekrutieren zu können, hat sich laut der Studie Recruiting Trends bei den Unternehmen nicht nur durchgesetzt. Zwei Drittel der Big Player glauben sogar, dass Social Media zu den Recruiting Kanälen der Zukunft gehören.

Active Sourcing über Social Media: Das Recruiting der Zukunft?

Bestätigt werden diese Einschätzungen von den Bewerbern, die für die Studie befragt wurden. Unter den so genannten Ypsilonern finden es 72,9 Prozent gut, wenn Unternehmen Social-Media-Anwendungen zur Rekrutierung einsetzen.

Soweit, so gut. Die Wissenschaftler aus Bamberg brachten allerdings auch ans Licht, dass den positiven Aspekten in punkto Active Sourcing via Social Media massive Herausforderungen gegenüberstehen:

  • Acht von zehn der Top-1.000-Unternehmen, sieben von zehn der mittelständischen Unternehmen sowie der Unternehmen aus der IT-Branche denken, dass Recruiter durch den Einsatz von Social-Media-Anwendungen in der Personalbeschaffung zusätzliche, neue Fähigkeiten erlernen müssen.
  • Weniger als die Hälfte der Top-1.000-Unternehmen glaubt, dass sie die Veränderungen, die durch den Einsatz von Social Media notwendig geworden sind, einfach umsetzen können. Im Mittelstand glaubt nur knapp ein Viertel der Unternehmen daran. Etwas positiver sind die Unternehmen in der IT-Branche. Hier gehen 55,2 Prozent davon aus, die notwendig gewordenen Veränderungen einfach umsetzen zu können.

Tatsächlich knackst und knirscht es hier und da noch im Social-Media-Prozess, wie die folgenden Ergebnisse zeigen:

  • Social-Media-Strategien: Nur 27,3 Prozent der Top-1.000-Unternehmen besitzen eine explizite Strategie für den Einsatz von Social Media in der Personalbeschaffung. Unter den mittelständischen Unternehmen haben solch eine Strategie gerade einmal 8,6 Prozent formuliert. Im Jahresvergleich lässt sich jedoch erkennen, dass aktuell mehr mittelständische Unternehmen eine explizite Strategie besitzen als noch vor zwei Jahren. In der IT-Branche hat knapp ein Viertel der Unternehmen eine Social-Media-Strategie formuliert.
  • Abstimmung mit anderen Maßnahmen: Mit 47,9 Prozent stimmt knapp die Hälfte der Top-1.000-Unternehmen den Einsatz von Social Media mit anderen Personalbeschaffungsaktivitäten ab. In den letzten zwei Jahren hat sich dieser Anteil unter den mittelständischen Unternehmen von 14,5 Prozent auf aktuell 40,5 Prozent fast verdreifacht. In der IT-Branche stimmt etwas mehr als die Hälfte der Unternehmen den Social-Media- Einsatz mit anderen Maßnahmen im Personalwesen ab.
  • Social-Media-Kodex: 37,4 Prozent der Top-1.000-Unternehmen verfügen über einen Social-Media-Kodex, 18,3 Prozent sind es im Mittelstand. Unter den IT-Unternehmen haben 58,6 Prozent einen schriftlich fixierten Kodex für ihre Mitarbeiter.
  • Social-Media-Verantwortung: 47,5 Prozent der Top-1.000-Unternehmen haben ausgewählte Mitarbeiter in der Personalabteilung, welche die für Rekrutierungszwecke genutzten Social- Media-Kanäle pflegen und mit Inhalt füllen. Im Mittelstand wählt mehr als ein Viertel der Unternehmen Mitarbeiter aus, die sich um die Pflege und Inhalte der Social-Media-Kanäle kümmern. Das stellt einen Anstieg um 9,9 Prozentpunkte im Vergleich zum Jahr 2015 dar. In der IT-Branche haben vier von zehn der Unternehmen ausgewählte Social-Media-Mitarbeiter.
  • Redaktionsplan: Knapp ein Viertel der Top-1.000-Unternehmen hat einen Redaktionsplan für die Aktivitäten in Social Media erstellt. Im Mittelstand besitzt etwa jedes zehnte Unternehmen einen solchen Plan, was einen Anstieg von 7,9 Prozentpunkten im Vergleich zum Jahr 2015 darstellt. Unter den Unternehmen aus der IT-Branche definieren 27,6 Prozent der Unternehmen einen solchen Redaktionsplan.

Die Qual der Wahl: Welcher Kanal ist der richtige?

Neben Active Sourcing nutzen Unternehmen Social Media auch für die folgenden Bereiche:

  1. Stellenausschreibung
  2. Imagewerbung bzw. Employer Branding
  3. Die Suche nach Informationen über bereits identifizierte Kandidaten

Wobei für die verschiedenen Nutzungsszenarien unterschiedliche Kanäle genutzt werden. Für die Schaltung von Stellenanzeigen, die aktive Suche nach Kandidaten und die Suche nach Informationen bereits identifizierter Kandidaten nutzen die meisten Top-1.000-Unternehmen XING, während Facebook am häufigsten für die Imagewerbung verwendet wird.

Auch Kandidaten nutzen Social-Media für unterschiedliche Zwecke:

  • zur Suche nach offenen Stellen
  • um Informationen über potenzielle Arbeitgeber zu erlangen
  • zur Vernetzung mit Unternehmen

Überraschung: Bei der Wahl des Kanals zeigen sich Kandidaten weniger wählerisch als von Unternehmen angenommen. Tatsächlich nutzen Talente für alle drei Anwendungsszenarien XING.

Sprechen Unternehmen und Talente aneinander vorbei?

Der Vergleich der Social-Media-Kanäle, die von Seiten der Kandidaten für die Jobsuche genutzt werden, mit den Kanälen, die Unternehmen zur Schaltung von Stellenanzeigen verwenden, zeigt also deutlich, dass XING für das Active Sourcing der geeignetste Kanal ist. Am zweithäufigsten wird LinkedIn von Unternehmen und Kandidaten für diesen Zweck genutzt.

In punkto Employer Branding scheinen Kandidaten und Unternehmen allerdings häufig aneinander vorbei zu posten. XING und LinkedIn sind die Kanäle, die von den Kandidaten häufig für die Suche nach Informationen über potenzielle Arbeitgeber genutzt werden. Aus Unternehmenssicht wird hingegen häufig Facebook für Imagewerbung bzw. Employer Branding genutzt.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Twitter. Unter den Kandidaten nutzt ein größerer Anteil häufig Spezialistenforen und Blogs sowie YouTube, während Unternehmen ihre Employer-Branding-Messages häufiger über Twitter veröffentlichen. Fazit: Die Ergebnisse sollten zu denken geben. Höchste Zeit, noch einmal an der ein oder anderen Active Sourcing- und Employer Branding-Stellschraube zu drehen. 

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Die Studie "Recruiting Trends 2017" steht unter folgendem
Link zum kostenlosen Download bereit: 
http://arbeitgeber.monster.de/recruiting/studien.aspx