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Vorstellungsgespräch: Die richtigen Fragen stellen

Vorstellungsgespräch: Die richtigen Fragen stellen

Das Vorstellungsgespräch hat eine Schlüsselfunktion in der Rekrutierung. Allerdings nur, wenn in ihm die richtigen Fragen gestellt werden. Die sollten wohl überlegt sein. Ebenso die möglichen Antworten der Bewerber. Nur dann stehen die Chancen gut, den passenden Kandidaten auszuwählen. 

Von Peter Ilg

Der große Tag des Vorstellungsgesprächs steht bevor. Nicht nur für den Kandidaten, sondern auch für den oder die Teilnehmer aus dem Unternehmen. Manchmal trifft sich der Personalreferent beim ersten Gespräch allein mit dem Bewerber, teilweise ist auch schon der Fachvorgesetzte dabei und in anderen Fällen außerdem ein Personalberater, der den Kandidaten empfohlen hat.

Fragen im Vorstellungsgespräch klar formulieren

"Egal, wer alles um den Tisch sitzt: Nur wenn die Fragen klar formuliert sind, liefern sie im Ergebnis Antworten über die Kompetenzen des Bewerbers", sagt Sascha Armutat, der früher Forschungsleiter in der Deutschen Gesellschaft für Personalführung in Düsseldorf war. Seit 2016 ist er Professor an der Fachhochschule Bielefeld. Ein Vorstellungsgespräch solle eine Prognose auf den Berufserfolg ermöglichen, also klären, ob der Bewerber den Anforderungen entspricht. Die richtigen Fragen führen dabei am ehesten zum Ziel.

Wichtig ist, dass die Firmenvertreter in dem Gespräch überhaupt Fragen stellen und keine Monologe führen. Regelmäßig hört Armutat von Bewerbern, dass Personaler und Führungskräfte die Runde als Informationsveranstaltung über das Unternehmen missverstehen. "Häufig, weil die Leute glauben, ein Interview könne man sich leicht aus dem Ärmel schütteln, was leider nicht stimmt."

Fragen für das Bewerbungsgespräch vorher besprechen

Nach seinen Angaben sind gute Fragen so formuliert, dass sie zu ausführlichen Antworten motivieren. Armutats Tipp: Die Fragen vorher zwischen Personaler und Fachvorgesetztem besprechen und den Bewerbern für eine Position identische Fragen stellen mit vorbewerteten Antworten. "Denn nur dann können die Kandidaten objektiv verglichen werden."

Personaler müssen das Bewerbungsgespräch nicht minutiös planen. Aber doch haben sich so genannte halb strukturierte Vorstellungsgespräche in der Praxis bewährt. Es gibt einen roten Faden, von dem aus der Personaler bei Bedarf in die Ecken links und rechts des Werdegangs leuchtet. Sehr wichtig ist auch die Systematik der Fragestellung. Sie sollte der dieser Struktur folgen:

  • Wie sind die Vorstellungen des Bewerbers?

  • Wie sieht das Jobangebot aus? 

So lässt sich klären, ob Traum und Wirklichkeit zusammen passen, oder ob sie zu weit auseinanderliegen.

Persönliche Fragen sind meist verboten

Aber es gibt auch Fragen, die unzulässig sind. Dazu gehören alle, die mit der Persönlichkeit des Bewerbers zu tun haben, etwa Sexualität, Religion und Politik. Daher scheiden Fragen aus wie: "Sind sie krank, schwanger, Mitglied der Partei XY?" Als Grauzone gilt die Frage nach Freizeit und Hobbys. 

Unbewusste Antworten: Die Körpersprache gibt Hinweise

Auch auf psychologische Effekte sollten Personaler und Fachvorgesetzte achten, denn aus der Körpersprache können sie viel lesen. Gehen beispielsweise die Augen nach oben, ist das immer ein Beispiel für Erinnerungen. Nach unten bedeutet ein Eintauchen in die Gefühlswelt. An solchen Merkmalen lässt sich ein Schauspieler von einem ehrlichen Menschen unterscheiden. Fragen, Struktur und Psychologie sind Puzzel-Stücke, die sich am Ende des Gesprächs zu einem Bild über den Bewerber zusammenfügen und sich dann relativ sicher sagen lässt, ob Bewerber und Stelle zusammenpassen.