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Referenzen: Alles nur Schönfärberei?

Referenzen: Alles nur Schönfärberei?

Referenzen kommen nicht immer gut an. Insbesondere, wenn sie den Jobanwärter über den grünen Klee loben. Doch aussagekräftige Referenzen lassen sich leicht von schöngefärbten Lobhudeleien unterscheiden. Wir sagen Ihnen, worauf Sie achten müssen.

 

 

Gilt es für Dennis Blöcher, neue Mitarbeiter auszuwählen, dann beeindruckt ihn wenig, ob Bewerber ihren Papieren beste Referenzen voriger Arbeitgeber beigelegt haben. Der Personalreferent des schwäbischen Motorsägenherstellers Stihl blickt erst einmal auf für ihn untrügliche Kennziffern bei der Beurteilung von potenziellen neuen Kollegen: Noten. "Noten sind auch Referenzen", sagt Blöcher. Er blickt auch darauf, welche Praktika Bewerber vorweisen können, wo sie studiert haben und wie der bisherige Berufsweg verlief.

Lobesschriften oder ernst zu nehmende Dokumente?

Die klassische Referenz eines früheren Arbeitgebers, der Bewerbungsmappe als Schriftstück beigelegt, spielt bei ihm eine untergeordnete Rolle. Zudem liege in maximal "fünf Prozent" der Fälle so ein Papier einer Bewerbung bei Stihl bei. Für Blöcher sind solche Lobesschriften zuweilen nur leichte Schönfärbereien, wie er es drastisch formuliert.

Viel mehr orientiert sich der Personalreferent daran, welchen Eindruck er von einem Bewerber im Vorstellungsgespräch gewinnt. Gewiss könne eine vorzügliche Referenz eine schon erstklassige Bewerbung abrunden, aber mehr auch nicht. "Denn Referenzen haben meist einen subjektiven Touch", kritisiert Blöcher.

Wer hat die Referenz verfasst?

So nüchtern das Thema Referenzen bei Stihl bewertet wird, so wichtig ist es für Martina Goldhorn, Geschäftsführerin der Management Janus in Aying, nahe München. Für sie ist eine Referenz elementarer Bestandteil einer Bewerbung und rundet gemeinsam mit Zeugnis und Noten das Bild eines Bewerbers ab. Bewirbt sich jemand in ihrem Unternehmen, dann verlangt Martina Goldhorn eine Referenz. "Je höher die Position, desto wichtiger sind solche Einschätzungen. So etwas wirft ein gutes Licht auf eine Bewerbung."

Doch was macht eine gute Referenz aus? Zuerst steht der Zeitpunkt, an dem das Papier verfasst wurde. Legt jemand Martina Goldhorn ein Schriftstück vor, das Jahre alt ist, "dann ist das bereits ein Minuspunkt". So aktuell - aber auch so detailliert wie möglich muss die Referenz sein.

Wie viel Mühe steckt dahinter?

 "Es spricht für den Bewerber, wenn sich jemand große Mühe mit der Referenz gemacht hat", sagt Beraterin Goldhorn. Es spricht wiederum weniger für den Bewerber, wenn dieser ausschließlich über den grünen Klee gelobt wird. "Nur eine differenzierte Referenz gibt ein authentisches Bild ab", sagt die Personalfachfrau. Schließlich gibt es auch im Job keine unfehlbaren Superhelden.

Sollte Martina Goldhorn trotzdem einen Bewerber vor sich haben, der angeblich in allen Bereichen nur Stärken mitbringt, "dann hake ich nach". Und zwar dort, wo die Referenz verfasst worden ist. Deswegen muss so ein Papier auch zwingend die aktuellen Kontaktdaten des Verfassers beinhalten.

Kontaktdaten sind das A und O

Dieser sollte nicht nur ein Kollege, sondern ein Vorgesetzter sein. Erst mit den Kontaktdaten bekommt die Referenz für Martina Goldhorn die gewünschte Seriosität. Denn hier signalisiert jemand, dass er für einen früheren Mitarbeiter bürgt.

Die gleiche Sorgfalt legt Martina Goldhorn auch an den Tag, wenn sie selbst für einen scheidenden Mitarbeiter eine Referenz schreiben soll. Sie tut das gerne und oft - aber nie als plumpe Lobhudelei. "Hier muss man sich erst einmal mit dem entsprechenden Mitarbeiter besprechen."

Nicht nur Positives schildern

Denn gemäß ihres Anspruchs, ein differenziertes Bild darzustellen, auch negative Seiten darzustellen, will sie im jeweiligen Fall über die Inhalte sprechen. Sollte der Mitarbeiter verweigern, dass nicht nur Positives beschrieben wird, dann sieht sich Martina Goldhorn nicht imstande, eine seriöse Referenz zu geben. Gleichfalls steht die bayerische Beraterin für telefonische Rückfragen zur Verfügung, denn im direkten Gespräch entstehen die aussagekräftigsten Eindrücke.

Beim Sporthandel-Einkaufsverbund Intersport sieht man es pragmatisch. Grundsätzlich spielen für Ralf Karnowsky, Bereichsleiter Personal, Referenzen nur eine zweitrangige Rolle. "Es kommt aber darauf an, welche Hierarchie-Ebene besetzt werden soll. Es gibt dann schon Fälle, wo Referenzen genutzt werden", sagt er. "Diese müssen aus unserer Sicht immer ein wenig genauer betrachtet werden." Sein Hauptbedenken: Welcher Bewerber wird schon eine Referenz nennen, die nicht positiv für Ihn spricht?

(Johanna Berger, Juni 2010 / Bild: Franz Pflügl, Fotolia.com)