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Frisierte Bewerbungen entlarven

Frisierte Bewerbungen entlarven
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Den Lebenslauf schönen, Fakten verschweigen oder gar fälschen - manche Bewerber greifen tief in die Trickkiste, um einen Job zu ergattern. Doch mit der richtigen Fragestrategie können Personalverantwortliche der Schönfärberei spätestens beim Vorstellungsgespräch auf die Schliche kommen.

 


"Zuerst begutachte ich vorurteilsfrei die Unterlagen der Bewerber und glaube dem, was ich dort lese", sagt Matthias Busold von Kienbaum Executive Consultants. Sind die Angaben aber wenig plausibel, wittert er frisierte Lebensläufe. Wenn jemand zum Beispiel einen Top-Lebenslauf  mit sehr guten Noten und sechs Praktika hingelegt hat, sich aber nach dem Studium erst einmal ein halbes Jahr lang eine Auszeit gönnt, wird der Hamburger skeptisch: Warum startet jemand mit so vielen Ambitionen nicht sofort ins Berufsleben?

Ungereimtheiten aufspüren

"Ich frage mich bei der Lektüre von Bewerbungsunterlagen immer, wie ich agiert hätte, wenn ich an Stelle des Bewerbers gewesen wäre", so Busold. So kommt er Ungereimtheiten auf die Spur. Hat er ein Plausibilitätsproblem entdeckt, hakt er beim Bewerber nach. Kann der Bewerber keine schlüssige Antwort geben, greift er zur Technik der Zirkelfrage: Er lässt erst einmal die Frage auf sich beruhen und spricht mit dem Bewerber über andere Themen. 

Später kommt Busold noch einmal auf das scheinbar schon zu den Akten gelegte Problem zurück. "Ich stelle einfach noch mal eine andere Frage zum gleichen Sachverhalt - und oft kommt dann die Wahrheit ans Licht."

Die Suche nach neuen Herausforderungen - aber nicht nach eineinhalb Jahren

Ein klassisches Beispiel: Die erneute Jobsuche  nach nur eineinhalb Jahren in einem Unternehmen. Wer nach einer so kurzen Zeitspanne seinen Wechselwunsch damit begründet, eine neue Herausforderung zu suchen, flunkert häufig. "Nicht selten kommt durch Nachfragen dann doch heraus, dass es zum Beispiel Probleme mit dem Chef gibt. Dies kann dazu führen, dass man sehr kritisch reflektiert, ob dieser Kandidat für den Kunden passend ist", so Busold.


Der hessische Headhunter Klaus Becker von der Klaus Becker Personalberatung für den Mittelstand kennt eine einfache, aber effektive Methode, um frisierten Bewerbungen auf die Spur zu kommen: Er vergleicht die Daten im Lebenslauf mit denen  in den  beigelegten Arbeitszeugnissen. "Oft stimmen die Daten nicht überein", betont Becker. So weist ein scheinbar makelloser Lebenslauf bei genauer Betrachtung dann doch einige Lücken auf. "Ganz misstrauisch werde ich, wenn Bewerber im Lebenslauf nur mit Jahreszahlen operieren, anstatt auch den jeweiligen Monat anzugeben. Oft werden  so Fehlzeiten kaschiert."

"Auszeit" oder "Orientierungszeit" statt Arbeitslosigkeit

Auch wenn Becker Begriffe wie "Auszeit", "Weltreise", "Orientierungs-" oder  "Elternzeit" liest, fragt er  genauer nach. Denn er weiß aus Erfahrung, dass einige Bewerber versuchen, hinter diesen Worten eine zeitweilige Arbeitslosigkeit zu verstecken. "Das bekomme ich aber durch konkretes Nachfassen schnell heraus." Ihm persönlich ist es lieber,  im Lebenslauf zu lesen, dass der Bewerber eine Zeitlang arbeitssuchend  war, als dass er diese Tatsache erst im Vorstellungsgespräch selbst herausfinden muss.

Der Münchner Christian Pape hat als Headhunter inzwischen einen Riecher für frisierte Unterlagen entwickelt. "Oft sind solche Bewerbungen auch in anderer Hinsicht mangelhaft, weil sie zum Beispiel vor grammatischen oder formalen Fehlern strotzen oder nur 08/15 sind", betont Pape. Auch inhaltliche Fehler kommen dabei gehäuft vor: "So überschneiden sich zum Beispiel Ausbildungszeiten und andere berufliche Tätigkeiten." Meist fehle auch  im Lebenslauf ein roter Faden.

Gefälschte Zeugnisse - Schluss mit lustig

"Wer sich selbst beste IT-Kenntnisse bescheinigt, aber seine Bewerbungsunterlagen nicht ordentlich formatiert hat, bei dem werde ich misstrauisch." Pape achtet im Vorstellungsgespräch auch darauf, was die Gestik und Mimik des Kandidaten  aussagen. "Gerade wenn jemand wegguckt oder sich verhaspelt, weist das auf Ungereimtheiten hin."

Aber nicht nur mit Hilfe des Lebenslaufes versuchen Bewerber, den eigenen beruflichen Werdegang zu frisieren, sondern auch durch "angepasste" Arbeitszeugnisse. Michael Heidelberger, Vorsitzender  des Fachverbandes Personalberatung beim Bundesverband Deutscher Unternehmensberater: "Wenn ein Teil eines Zeugnistextes manipuliert ist, passt diese Passage meist nicht in den Kontext. Außerdem fällt so ein Zeugnis oft aus dem Rahmen, wenn ich es mit anderen Arbeitszeugnissen vergleiche." In so einem Fall fragt Heidelberger auch schon mal bei der entsprechenden Firma nach.    

Der wesentlich seltenere, aber auch schwerwiegendere Fall sind gefälschte Diplom- und Promotionszeugnisse. Bei unbekannten ausländischen Unis oder verwischten und unleserlichen Stempeln wird der Personalberater Heidelberger skeptisch. Im Zweifelsfall ruft er die entsprechende Uni an.  

(Anja Schreiber / Foto: Tomasz Trojanowski, Fotolia,com)