Skip to main content
  1. Tipps
  2. Personalmanagement
  3. Arbeitsrecht
  4. WhatsApp-Nachricht: „Sie sind gefeuert!“ – Wirksame Kündigung oder schlechter Scherz?

WhatsApp-Nachricht: „Sie sind gefeuert!“ – Wirksame Kündigung oder schlechter Scherz?

WhatsApp-Nachricht: „Sie sind gefeuert!“ – Wirksame Kündigung oder schlechter Scherz?

WhatsApp wirbt damit, ein einfacher, sicherer und zuverlässiger Nachrichtendienst zu sein und hat sich nicht nur im privaten Bereich zum Messenger Nummer eins etabliert. Zunehmend wird auch im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses auf WhatsApp oder ähnliche Nachrichtendienste als Kommunikationsmittel zurückgegriffen. Daher stellt sich die Frage, ob eine WhatsApp-Nachricht auch für "wichtige" Nachrichten taugt – kann man gar per WhatsApp ein Arbeitsverhältnis kündigen?

Strenge Formvorschriften für die Beendigung von Arbeitsverhältnissen

Das Gesetz ist bei der Kündigung eines Arbeitsverhältnisses streng und verlangt für die Kündigungserklärung die "Schriftform" (§ 623 BGB). Auch stellt das Gesetz klar, dass die elektronische Form ausgeschlossen ist.

Doch was bedeutet „Schriftform“?

Schriftform bedeutet gemäß § 126 Abs. 1 BGB, dass "die Urkunde von dem Aussteller eigenhändig durch Namensunterschrift unterzeichnet werden muss".

Entscheidend ist also, dass die Kündigungserklärung auf einem Schriftstück in Papierform steht und das Schreiben eigenhändig unterschrieben ist. Die Unterschrift des Kündigungsberechtigten muss unter dem Text stehen und jedenfalls annähernd als Namenszug zu identifizieren sein.

Daher genügt eine Textnachricht via WhatsApp ebenso wenig wie eine Kündigung per E-Mail oder ein "E-Postbrief" der Schriftform.

Wichtig ist außerdem, dass die Kündigung nicht nur in Schriftform erstellt, sondern dem Kündigenden auch im Original zugeht. Eine rechtswirksame Kündigung kann daher nicht durch ein Foto des Kündigungsschreibens per WhatsApp oder eine Kopie des Schreibens per Telefax ausgesprochen werden. Der Gekündigte muss stets ein Original des Kündigungsschreibens erhalten.

Was sind die Rechtsfolgen einer Kündigung, die nicht in Schriftform abgegeben wird?

Eine Kündigung per WhatsApp ist, wie auch jede andere Kündigung, die die gesetzliche Schriftform nicht einhält, nichtig und entfaltet daher keinerlei Rechtwirkung. Es bleibt allein die Möglichkeit, die Kündigung erneut in der ordnungsgemäßen Form zu erklären. Dies kann erhebliche Auswirkungen, insbesondere mit Blick auf die Kündigungsfrist haben, da die erneute Kündigung in der Regel eine gewisse Zeitverzögerung verursacht.

Was muss man bei der Zustellung einer Kündigung beachten?

Bei der Zustellung einer Kündigung ist immer zu bedenken, dass der Absender der Kündigung den Zugang des Schriftstückes im Streitfall (z.B. in einem Kündigungsschutzverfahren vor dem Arbeitsgericht) darlegen und beweisen muss. Zwar kann eine Kündigung als Brief verschickt werden; mangels eines Nachweises über den Zugang dieses Briefes lässt sich dann aber der Zugang der Kündigung nur schwer beweisen. So könnte der Kündigungsempfänger z.B. behaupten, dass der Brief auf dem Postweg verloren gegangen sei und er eine Kündigung nie erhalten habe.

Sicherer ist es daher, die Kündigung per Einwurf-Einschreiben zu versenden oder durch einen Boten zu überbringen. In diesem Zusammenhang hält sich nachhaltig das Gerücht, dass die "sicherste" Zustellung einer Kündigung per "Einschreiben mit Rückschein" erfolgt. Dies ist aber ein Irrtum; bei einem Einschreiben mit Rückschein kann es zu Verzögerungen der Zustellung kommen, wenn der Empfänger nicht zu Hause angetroffen wird und das Schreiben nicht oder verzögert bei der Post abholt – gerade bei Kündigungen kurz vor Monatsende kann die Verzögerung in der Zustellung dazu führen, dass sich die Kündigungsfrist entsprechend um einen ganzen Monat verschiebt.

Damit der Adressat nicht behaupten kann, in dem Brief sei z.B. nur ein leeres Blatt enthalten gewesen, jedenfalls aber keine Kündigung, sollte die Kündigungserklärung im Beisein von Zeugen in den Briefumschlag eingelegt und der Post oder dem Boten übergeben werden.

Tipp: Die sicherste Variante ist und bleibt die persönliche Übergabe der Kündigung gegen Empfangsquittung. Für den Fall, dass der Kündigungsempfänger die Entgegennahme oder die Quittierung des Empfangs verweigert, sollte eine Kündigungsübergabe stets im Beisein von Zeugen erfolgen.

Wann gilt die Kündigung als zugegangen?

Da der Beginn der Kündigungsfrist sich nach dem Zugang der Kündigung bestimmt, kommt es für die Berechnung des Zeitpunkts der Beendigung des Arbeitsverhältnisses ganz wesentlich darauf an, wann eine Kündigung als zugegangen gilt. Eine Kündigung ist zugegangen, wenn diese in den "Machtbereich" des Adressaten gelangt, also z.B. der Brief in dessen Briefkasten eingeworfen wird.

Eine persönlich übergebene Kündigung geht unmittelbar im Zeitpunkt der Übergabe des Kündigungsschreibens zu. Wird die Kündigung aber in den Briefkasten eingeworfen, so liegt kein unmittelbarer Zugang vor. Entscheidend ist dann, wann der Empfänger unter gewöhnlichen Umständen von der Erklärung Kenntnis nehmen konnte, also z.B. wann eine Leerung des Briefkastens üblicherweise erwartet werden kann – wird der Brief erst spätnachmittag oder am Abend eingeworfen, wird der Zugang in der Regel erst am Folgetag erfolgen.

Es kommt im Übrigen auch nicht darauf an, ob der Empfänger den Briefkasten tatsächlich geleert hat oder überhaupt leeren konnte. Selbst wenn etwa ein Arbeitnehmer im Urlaub ist und der Arbeitgeber weiß, dass der Mitarbeiter nicht zu Hause ist, kommt es alleine darauf an, wann der Empfänger unter gewöhnlichen Umständen, d.h. nach den üblichen Postzustellzeiten, von der Erklärung Kenntnis nehmen hätte können.

 

DER AUTOR_______________________________________________________

Justus Frank, LL.M., Maître en droit, ist Rechtsanwalt in der internationalen Kanzlei Hogan Lovells International LLP, Büro Düsseldorf. Hogan Lovells berät nationale und internationale Unternehmen und zählt zu den führenden Arbeitsrechtspraxen in Deutschland.

Back to top