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WM im Büro schauen: Was ist erlaubt, was nicht?

WM im Büro schauen: Was ist erlaubt, was nicht?

Fußballfans fiebern dem Ereignis des Jahres entgegen: Die WM steht an und mit ihr jede Menge Spannung und Spaß. Allerdings finden viele Spiele am Nachmittag statt, wenn die meisten Fußballfans noch arbeiten. Die Frage, die ihnen auf der Seele brennt: Dürfen Arbeitnehmer am Arbeitsplatz Fußball schauen?

Von Sonja Dietz

WM: Viele Spiele liegen in der Arbeitszeit

Wer den Spielplan der Fußballweltmeisterschaft 2018 studiert hat, dürfte bereits festgestellt haben: So manches Spiel liegt zeitlich verhältnismäßig ungünstig. Gegen Südkorea spielt Deutschland beispielsweise um 16 Uhr. An einem Mittwoch. Viele Berufstätige arbeiten dann noch. Dürfen sie das Spiel im Büro anschauen?

Hartgesottene Fußball-Fans müssen jetzt stark sein. Die arbeitsrechtliche Antwortet lautet: Nein. Radio und Fernsehen im Büro sind nur gestattet, wenn es der Arbeitgeber ausdrücklich erlaubt. Selbst das Schauen des Live-Streams auf dem Laptop scheidet als Möglichkeit aus – da ist der Gesetzgeber streng.

Arbeitsrecht: WM lenkt Arbeitnehmer ab

Grundsätzlich hat sich der Arbeitnehmer in seinem Arbeitsvertrag schließlich zum Ableisten von berufsbezogenen Aufgaben verpflichtet. Diesen Abkommen steht alles entgegen, was davon ablenken könnte. Selbst, wenn es im eigenen Büro einen Radio gibt, der Tag für Tag dudelt, ist es dennoch nicht rechtens, sich auf diesem die WM-Übertragung anzuhören.

Denn in aller Regel bezieht sich die Duldung solcher Geräte auf das Hören von Musik. Mit einem gewissen Hintergrundplätschern kann mancher Arbeitnehmer tatsächlich besser arbeiten. Anders verhält es sich bei einer Fußballübertragung. Diesem Spektakel folgen viele Arbeitnehmer ganz bewusst. Hier ist Ablenkung vorprogrammiert und somit nicht erlaubt.

Wenn alle Stricke reißen: Live-Ticker in Textform

Ein kleines Trostpflaster für geschundene WM-Herzen gibt es aber dennoch. Ein möglicher Ausweg, dem WM-Geschehen dennoch beizuwohnen, ist der Live-Ticker per App. Viele Medien bieten einen solchen auch 2018 wieder an und schicken sogar Push-Nachrichten aufs Handy, wenn ein Tor fällt. Ist das private Surfen auf der Arbeit erlaubt, spricht vermutlich nichts gegen den gelegentlichen Blick auf das Smartphone - wenn es die Arbeitsleistung nicht beeinträchtigt.

Kommt das Management eines Unternehmens nicht selbst auf die Idee, die WM zum Thema zu machen, sollten sich Arbeitnehmer absichern und nachfragen: Was wird geduldet und was nicht? Meist kann man sich auf einen Kompromiss einigen. Zum Beispiel, dass bei den Deutschlandspielen Fernseher, Radio oder Stream angeschaltet bleiben dürfen.

Arbeitgeber dürfen Mitarbeiter von der WM ausschließen

Achtung: Bei der „WM-Beiwohn-Erlaubnis“ dürfen Arbeitgeber aber Unterschiede machen. So kann es sein, dass Mitarbeiter am Empfang, die mit externen Kunden zu tun haben, nicht hinhören oder -schauen dürfen, die Arbeitnehmer ohne Kundenkontakt aber schon.

Arbeitgebern empfiehlt sich, all das in einer Rundmail kundzutun. Dann wissen alle, woran sie sind. Kommt es zu Verstößen, kann das sogar eine Abmahnung rechtfertigen. Aber soweit wollen wir an dieser Stelle wirklich nicht gehen…

WM-Erfolg: Anstoßen mit kühlem Bier?

In der Mail sollte das Unternehmen auch klarstellen, ob das Anstoßen mit einer kühlen Flasche Bier erlaubt ist. Könnte ja sein, dass die eigene Mannschaft das ein oder andere Tor schießt. Das begießen echte Fans gerne mit einem Schluck Gerstensaft.

Auch hier kommt es auf den Arbeitgeber an. Herrscht ein generelles, vertraglich geregeltes Alkoholverbot während der Arbeitszeit, gilt das auch während der Fußball-WM. Besteht dieses nicht, sollten es Arbeitnehmer aber trotzdem nicht übertreiben, denn die eigene Leistungsfähigkeit darf nicht beeinträchtigt werden. Es handelt sich ja - wie gesagt - immer noch um Arbeitszeit.

WM – gut für die eigene Employer Brand

Soweit die Theorie. In der Praxis halten es viele Betriebe aber zum Glück völlig anders und lassen ihre Mitarbeiter ausdrücklich mitfiebern. Meist per Live-Übertragung auf der Großleinwand mit kühlen Gratis-Getränken und Chips. Hier und da werden sogar Würstchen auf den Grill gepackt.
 

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Denn Unternehmen wissen sehr wohl, dass solche Zugeständnisse dem eigenen Arbeitsklima nur guttun können. Gemeinsame Erlebnisse mit emotionalem Faktor schweißen zusammen, heben die Stimmung im Büro und sind ein wichtiger Faktor für die Mitarbeiterbindung und damit für die eigene Employer Brand.

Die Mitarbeiter werden sich noch tagelang gemeinsam freuen oder – im schlimmsten Fall – zusammen trauern und das auch über soziale Netzwerke kundtun. Das zeigt auch potenziellen Bewerbern: In diesem Unternehmen wird echter Teamzusammenhalt gepflegt. Wer weiß? Vielleicht bestärkt es sie ja darin, auf den Bewerben-Button in einer Stellenanzeige zu klicken, wenn auch alle anderen Faktoren stimmen, die ihnen wichtig sind…

Unternehmen geben sich eine 4+ für die eigene Employer Brand

Für Arbeitgeber ist die WM also die perfekte Gelegenheit, etwas für ihre Arbeitgebermarke zu tun. Und das auch noch recht kostengünstig. Wer noch nicht darüber nachgedacht hat, sollte das schleunigst tun. Denn die Notwendigkeit zu Handeln ist durchaus gegeben.

Laut der kostenlosen Monster-Studie Recruiting Trends 2018, die jährlich in Kooperation mit der Universität Bamberg entsteht, gibt sich der Großteil der befragten Unternehmen im Schnitt für das eigene Employer Branding die Schulnote Vier plus. Die Zeichen der Zeit standen nie so günstig, das zu ändern. Oder um es mit der bekannten Fußballhymne zu halten: Zeit, dass sich was dreht!

 

RECRUITING TRENDS 2018_________________________________________________________________

Recruiting Trends 2018 - Social Recruiting & Active Sourcing

 



STUDIE RECRUITING TRENDS 
Auch 2018 gab es wieder interessante neue Erkenntnisse bei den 4 Themenschwerpunkten, die von der Otto-Friedrich-Universität Bamberg sowie Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg im Auftrag der Monster Worldwide Deutschland GmbH erhoben wurden.
Zum Download der Studien>>>