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Recruiting durch Zeitarbeit

ZeitarbeitsvertragImagepolitisch auf dem Vormarsch, Schrittmacher der Konjunktur: An der Zeitarbeit kommt die Wirtschaft nicht mehr vorbei. Worin sie sich auszeichnet und wie sie beim Rekrutierungsprozess hilft.

 

 

Die in der öffentlichen Debatte vielfach diskreditierte Zeitarbeit hat sich zu einem angesehenen Partner des Personalmanagements gemausert, besonders unter dem Eindruck des Fachkräftemangels. Weil Unternehmen bei der Suche nach qualifizierten Mitarbeitern mit beschränkten Mitteln vorgehen, vertrauen sie der Zeitarbeit die Suche nach Mitarbeitern an. Teure Rekrutierungskampagnen erübrigen sich.

Von der Zeitarbeit zur Festanstellung

"Zeitarbeit ist ein Sprungbrett in die feste Anstellung", sagt Knut Krämer, Personaldirektor der Targobank. Die Quote im Duisburger Dienstleistungszentrum liegt bei 20 Prozent. Viele Erfolgsstorys belegen den sogenannten "Klebeeffekt": Eine Kollegin aus Krämers Team kam von der Zeitarbeit, ehe sie als Teamleiterin im Call Center angestellt wurde. "Inzwischen ist sie zur Personalreferentin aufgestiegen."

Der Targobank ist daran gelegen, über die Zeitarbeit noch schneller an qualifizierte Mitarbeiter zu gelangen. Das ist nicht einfach umzusetzen, zumal viele Fachkräfte dank des anhaltenden Aufschwungs eine Festanstellung der Zeitarbeit vorziehen. Umgekehrt wollen sich vor allem junge Leute noch nicht langfristig an ein Unternehmen binden. Ihnen eröffnet Zeitarbeit die Chance, verschiedene Firmen kennenzulernen. Wer das richtige Umfeld findet, kann auf Dauer bleiben.

Vorteil bei Anstellung: Qualifikation der Zeitarbeiter ist bekannt

Während die Targobank vor allem Mitarbeiter mit kaufmännischer Qualifikation benötigt, rekrutiert der Automobilhersteller Opel in Rüsselsheim vorwiegend Techniker und Ingenieure über die Zeitarbeit. Auf diesen Personenkreis, der in der Motor- und Getriebeentwicklung sowie in der Fahrzeugentwicklung tätig ist, entfallen zwei Drittel der rund tausend temporär Beschäftigten. Laut HR Manager Frank Peter Zimmermann war etwa jeder zweite der rund 300 Ingenieure, die 2010 eingestellt wurden, zuvor Zeitarbeiter. Der große Vorteil: Die Kandidaten waren bei der Einstellung in den Fachbereichen hinsichtlich der Arbeitsleistungen und der Soft Skills bereits bekannt.

Zeitarbeit ermöglicht Flexibilität

Zeitarbeit eröffnet Firmen die Chance, flexibel auf Auftragsschwankungen zu reagieren. Wie sich das konkret auswirkt, erläutert Zimmermann: In wirtschaftlich angespannten Phasen oder bei zeitlich begrenztem Personalbedarf könne Opel lediglich befristet einstellen. Hier sei die Zeitarbeit von Vorteil, denn sie bietet Ingenieuren in der Regel unbefristete Arbeitsverhältnisse an. "Sobald der Einsatz etwa bei Opel zu Ende ist, können sie von ihrem Arbeitgeber auch an andere Firmen in der Automobilindustrie vermittelt werden."

Nachteil für Zeitarbeiter ist der fehlende Kündigungsschutz

Freilich hat die aus Sicht des Zeitarbeitskunden in mehrfacher Hinsicht attraktive Dienstleistung ihre Schattenseiten. Fällt die Wirtschaft etwa in eine Rezession zurück, worauf aktuell mehrere Studien hinweisen, gerät die Gruppe der temporär Beschäftigten zuerst auf die Streichliste. "Zeitarbeit sichert Beschäftigung", sagt Rüdiger Lindenmeyer, Personalleiter von Mann + Hummel in Ludwigsburg. Um die Arbeitsplätze der Stammbelegschaft zu schützen, entließ der Automobilzulieferer in der Krise 2009 Zeitarbeiter, baute Zeitkonten der Stammbeschäftigten ab und hielt sich mit Kurzarbeit über Wasser.

Zeitarbeitsfirmen wollen Mitarbeiter halten

Doch im Unterschied zur konjunkturellen Talfahrt vor drei Jahren, als viele Zeitarbeiter keine alternative Beschäftigung mehr fanden und entlassen wurden, werden Zeitarbeitsfirmen ihre Mitarbeiter bei einer neuerlichen Krise nicht so schnell nach Hause schicken. Hartmut Lüerßen, Partner des Marktforschers Lünendonk in Kaufbeuren: "Die Neurekrutierung ist ziemlich teuer. Wer in der letzten Krise mehr Mitarbeiter gehalten hatte, konnte nachher tendenziell Marktanteile gewinnen."

Lüerßen verweist damit auf eine zentrale Stärke der Zeitarbeit: Sie kann Menschen und Jobs schnell zusammenbringen. Und sie entlastet Personaler von aufwändiger Bürokratie. Was HR für Stammbeschäftigte selbst an administrativen Aufgaben bewältigen muss, übernimmt der Dienstleister, bei dem die Zeitarbeitskräfte angestellt sind. "Unsere Partner sind einmal pro Woche vor Ort, um mit temporär Beschäftigten über Stundennachweise, Krankmeldungen oder Änderungen der Arbeitszeit zu sprechen", sagt Targobank-Direktor Krämer.

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit gefordert

2012 wird sich zeigen, ob der Imagewandel der Zeitarbeit nachhaltig ist. So hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales der verrufenen Branche auferlegt, sich bis März mit den Tarifpartnern über die sogenannte "Equal-Pay-Frage" zu einigen. Demnach sollen Zeitarbeiter nicht schlechter gestellt sein als Stammbeschäftigte. Sollte das Ultimatum ohne Ergebnis verstreichen, wird eine gesetzliche Regelung angestrebt. Nicht alle Zeitarbeitsfirmen haben die Tarifverträge unterschrieben, die vom DGB mit den beiden Branchenverbänden iGZ und BAP geschlossen worden sind und die im Folgejahr auslaufen.

Fachkräfte werden begehrter

Vor allem etliche Klein-Dienstleister, die mittelständische Betriebe in der Zeitarbeit unterstützen, müssen womöglich deutlich höhere Verrechnungssätze kalkulieren. Lüerßen warnt vor einschneidenden Konsequenzen: "Das für die meisten Zeitarbeitsfirmen zentrale Segment einfacher Qualifikationen, Helfertätigkeiten, könnte aus Kostengründen für die Auftraggeber zunehmend unattraktiv werden."

(Winfried Gertz, Januar 2012 / Bild: vege)


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