Recruiting auf Messen
Auf Messen und Kongresse sind meist viele Menschen. Aber nur ein Teil derjenigen, die einen neuen Job suchen. Daher bedienen viele Firmen möglichst viele Kanäle mit Informationen, wenn sie Mitarbeiter finden wollen. In Zeiten knapper Personalressourcen soll schließlich keiner vergessen werden.
Mit rund 400 offenen Stellen im Gepäck wird Katrin Scheuenbrand in diesem Jahr zur weltgrößten Computermesse Cebit nach Hannover fahren. Scheuenbrand ist Leiterin der Recruiting-Abteilung von Hewlett-Pakard (HP) in Böblingen. Das Unternehmen sucht vor allem Betriebswirte für den Vertrieb und Wirtschaftsinformatiker als Technik-Consultants. "Die Cebit ist für HP die wichtigste Produktshow im Jahr und für uns aus dem Personalmarketing der größte Event, um Kontakte zu potentiellen Mitarbeitern zu knüpfen."
Bewerber sind am Stand willkommen
HP ist wie viele andere Firmen auch während der gesamten Messe vom 6. bis 10. März auf dem ‚Job & Career Market' vertreten. "Die Cebit ist der größte Marktplatz für IKT-Berufe und die wichtigste gesellschaftspolitische Plattform zur Information über Ausbildungs- und Karriereanfragen in diesen Berufen", teilt die Deutsche Messe, der Cebit-Veranstalter mit. ITK steht für Informations- und Kommunikationstechnologie. Ende Oktober 2011 meldete der Verband, dass es in der deutschen Wirtschaft rund 38.000 offene Stellen für Experten der Informationstechnik gibt. Es ist zu erwarten, dass viele Firmen wechselwillige Professionals und Hochschulabsolventen hofieren werden. Insofern verwundert die Aussage von Scheunbrand nicht: "Selbstverständlich würde ich mich freuen, für möglichst viele unserer vakanten Positionen geeignete Bewerber zu finden."
Auf der Cebit werden Berufserfahrene erwartet
Scheuenbrand hat Kollegen aus dem Personalmarketing mit am Stand und Manager, die Interessenten Rede und Antwort stehen. Auf der Cebit erwartet sie eher Berufserfahrene, weniger Studenten und Absolventen. "Die treffen wir dann beispielsweise auf dem Absolventenkongress in Köln." Dieser findet alljährlich im November oder Dezember statt. 500 Bewerbungen hat Scheuenbrand 2011 mit nach Böblingen genommen. Auf der Messe und dem Kongress knüpft HP Kontakt zu potentiellen Mitarbeitern. Beide Seiten informieren sich, die Umsetzung, also Bewerbungsgespräch und Vertragsangebot, das folgt später. Doch nicht alle, die einen Job suchen, fahren nach Hannover oder Köln, viele informieren sich im Internet, sei es auf dem Jobportal oder in Social Media: "Präsent sein muss man auf allen Kanälen, um die höchstmögliche Trefferquote zu erzielen", so Scheuenbrand.
Gut 55.000 Fachbesucher wollen sich neu orientieren
"Die Hannover Messe 2011 war für uns ein voller Erfolg. Wir haben an jedem Tag rund 180 Gespräche mit potenziellen Bewerbern führen können", sagt Burkhard May, Teamleiter Human Resources bei Enercon in Aurich. Das Unternehmen stellt Windenergieanlagen her, hatte zur Messe im vergangenen Jahr 400 offene Stellen. Da kamen die 55.800 Fachbesucher gerade recht, die als Ziel ihres Messebesuchs Weiterbildung und berufliche (Neu-)Orientierung angaben. Auf diese Zahl kam die Deutsche Messe, ebenfalls Veranstalter dieses Events, in einer Befragung. Und ähnlich der Cebit gibt es auf der Hannover-Messe einen Job & Career Market — auch 2012.
Enercon geht auf die Hannover-Messe um potenzielle Bewerber über Arbeitsplätze, Praktika und Ausbildungsberufe umfassend zu informieren und mögliche Perspektiven aufzuzeigen. In den vergangenen beiden Jahren hat das Unternehmen die Präsenz auf Personalmessen massiv ausgebaut und will das Engagement weiter erhöhen. Enercon ist 2012 neben den bekannten Großveranstaltungen auf kleineren, regional ausgerichteten Messen und speziellen Veranstaltungen an Hochschulen.
Kunden und potentielle Kandidaten gleichzeitig ansprechen
Eine für den Automobilzulieferer Continental wichtige Veranstaltung ist die Internationale Automobil Ausstellung in Frankfurt am Main. "Wir sind dort mit einem riesigen Stand vertreten, zeigen all unsere Neuheiten und sprechen auch gezielt potentielle Mitarbeiter an", sagt Sehnaz Özden, Leiterin Corporate Employer Branding & Recruiting bei Continental in Hannover. Für seinen Messeauftritt wählt das Unternehmen jeweils ein Motto — zuletzt ‚Continental — ein attraktiver Arbeitgeber', zudem wird an jedem Tag ein Schwerpunktthema gewählt, mit dem unterschiedliche Zielgruppen angesprochen werden. Im vergangenen Jahr waren das ‚Internationalität', ‚Schüler aus dem Rhein-Main-Gebiet', Zukunftstechnologien im Fahrzeug' oder ‚Work-Life-Balance'. Aktuell hat Continental mehrere hundert offene Stellen, vor allem für Ingenieure.
Erfolgreich: In sozialen Netzwerken über die Messe berichten
Wie viele Bewerbungen Aktionen wie die auf der IAA bringen, kann Özden nicht in absoluten Zahlen ausdrücken. Doch ein Anhaltspunkt für eine positive Aufnahme des Angebots spiegle der Facebook-Kanal von Continental: "Wir haben jeden Tag live von der IAA berichtet und während der Messe stieg die Anzahl unserer Fans." Die IAA bezeichnet Özden als eine Win-Win-Situation für Messebesucher und Unternehmen: "Die Besucher können unsere Produkte bestaunen und wir haben die Chance, uns Automobilinteressierten als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren."
Nachwuchs auf Jobmessen suchen
Continental ist auch auf dem Absolventenkongress in Köln vertreten gewesen, doch sei diese Veranstaltung eher für Absolventen betriebswirtschaftlicher Fachrichtungen und weniger für Ingenieure. "Um Ingenieursnachwuchs zu finden, gehen wir auf spezielle Absolventenmessen für Ingenieure, darunter die Messen der Studentenorganisation Bonding, wo wir auch im Förderkreis sind."
Viele Kanäle führen zum Erfolg
Der Haupt-Recruiting-Kanal für Continental aber ist die Karriere-Homepage. Facebook sieht Özden als ergänzende Kommunikationskanäle zu Stellenanzeigen in Print, Online und den persönlichen Gesprächen auf Messen und Kongresse. "Jeder Bewerber hat andere Vorlieben und sucht den für ihn passenden Einstieg zur Information über uns aus. Daher grenzen sich die Kanäle nicht aus, sondern ergänzen sich."
Nach den Meinungen von Özden, Enercon und Scheuenbrand macht also der Mix letztendlich den Erfolg aus.
( Peter Ilg, Februar 2012 / Bild: Eduardo Leite)
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