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Für Personaler und Recruiter ist München ein heikles Pflaster. Der Arbeitsmarkt brummt, die Arbeitslosigkeit ist mit 4,1 Prozent (Stand Juli 2011) niedrig und zahlreiche Unternehmen auf Wachstumskurs buhlen um gut ausgebildete Fachkräfte.
Ingenieure und Wissenschaftler begehrt
Besonders gefragt sind Fachkräfte aus IT und Telekommunikation, Wissenschaft und Forschung, Maschinenbau und Elektrotechnik. Das Nachrichtenportal karriere.de hat in einer Langzeitstudie herausgefunden, dass sich 40 Prozent des Stellenangebots in München auf diese Wachstumsbranchen konzentrieren. Demgegenüber stehen nur 15 Prozent aller Bewerber, die in diesen Bereichen einen neuen Job suchen.
Banker und Kreative haben gute Chancen
Außerdem gesucht: Mitarbeiter aus dem Finanzwesen, das mit zahlreichen Banken und Versicherungen am Standort München vertreten ist, Medienleute und starke Vertriebler. Personaler, die offene Stellen zu besetzen haben, sind gezwungen überregional, wenn nicht sogar international, zu suchen. Ohnehin sollte man meinen, die bayerische Landeshauptstadt verfüge über genug Zugkraft und Attraktivität für Bewerber. Gäbe es da nicht einen entscheidenden Haken.
Mietpreise schrecken Kandidaten ab
Die Italiener nennen München Monaco di Baviera. Und wie das andere Monaco, das nicht in Bayern sondern am Mittelmeer liegt, ist die Stadt recht teuer. Von Menschen, die anderswo in Deutschland wohnen, hört man deshalb oft: "München? Dort ziehe ich im Leben nicht hin." Die ausgezeichneten Karrierechancen, die nahen Alpen, die Seen in der Umgebung, das Kultur- und Freizeitangebot hin oder her: Erstbezugsmieten von rund 13 Euro pro Quadratmeter und allgemein gehobene Lebenshaltungskosten muss man sich leisten wollen - selbst wenn man es kann.
Personaler müssen sich also etwas einfallen lassen, wenn sie Fachkräfte an die Isar locken wollen. Wer ein höheres Gehalt anzubieten hat als die Konkurrenz, ist sicherlich im Vorteil. Doch damit allein ist es nicht getan.
Hilfe bei der Wohnungssuche ist beliebt
Clever ist, wer seinen Bewerbern eine Art abgespeckten Relocation-Service anbietet, wie er sonst im internationalen Recruiting üblich ist. Hilfe bei der Wohnungssuche sollte im überhitzten Münchner Immobilienmarkt unbedingt dazugehören oder auch die Übernahme von Maklergebühren. Große Unternehmen punkten mit Dienstwohnungen, die zumeist auch günstiger sind als die ortüblichen Vergleichsmieten.
Extras wie Kindergärten anpreisen
Wer einen Betriebskindergarten unterhält, sollte unbedingt damit werben: Um die Kinderbetreuung ist es in München schlecht bestellt. Kandidaten mit Familie und doppeltem Einkommen müssen sonst damit rechnen, dass ein Gehalt wegfällt. Firmen, die zu klein für einen eigenen Betriebskindergarten sind, kooperieren am besten mit anderen Unternehmen oder arbeiten mit Familiendienstleistern und Tagesmüttern zusammen. Hilfreich ist auch, die kleine Extras hervorzuheben: etwa die attraktive Innenstadtlage, ein unbegrenztes Spesenbudget bei Dienstreisen oder zusätzliche finanzielle Unterstützung, wenn Nachwuchs ins Haus steht.
Lokal rekrutieren
Neben denen, die vielleicht herziehen, wollen auch diejenigen umworben werden, die schon da sind: die Studenten. Insgesamt 13 Universitäten, Hochschulen und Fachhochschulen gibt es in München. Im Wintersemester 2009/2010 studierten hier mehr als 91000 junge Menschen.
Die Ludwig-Maximilians-Universität München und die Technische Universität München, welche unter anderem die begehrten Bauingenieure, Naturwissenschaftler, Fahrzeugtechniker und Informatiker ausbildet, bekamen beide das Etikett "Elite" angeheftet – als zwei von bundesweit neun Hochschulen. Daneben existieren verschiedene Hochschulen einzelner Fachrichtungen, wie etwa die Hochschule für Film und Fernsehen, die Hochschule für Musik und Theater, die Hochschule für Politik oder die Munich Business School. Außerdem gibt es viele private Ausbildungsinstitute, wie die U5 für Designer, die SAE für Medienberufe oder die BAW für den Kommunikationsnachwuchs.
Studenten direkt aus dem Hörsaal heraus abwerben
In das Hochschulmarketing zu investieren, kann sich in München also lohnen. Indem Firmen Stellenanzeigen auf der Homepage der Hochschule schalten, Werbemittel platzieren oder auf Recruiting-Veranstaltungen Präsenz zeigen, machen sie schon früh auf sich aufmerksam und haben bei der Kandidatensuche auf dem umkämpften Münchner Bewerbermarkt die Nase vorn.
Career Days und Jobmessen nutzen
Im Trend liegt es hier auch, eigene Karrieretage zu veranstalten – entweder in der Firmenzentrale oder einer Event-Location. Daneben sollten die Jobmessen im Münchner Messezentrum branchenunabhängig zu den Pflichtterminen eines jeden Personalers gehören.
Vorteil: Viele erfahrene Fachkräfte sind bereits in München
Wer Stellen oberhalb des Einsteiger-Levels besetzen muss, hat sogar einen Vorteil: Weil so viele Firmen aus den Wachstumsbranchen IT, Biotechnologie und Co. ihren Sitz in München haben, sind die Fachkräfte schon da. Allerdings braucht man überzeugende Argumente, damit diese den Arbeitgeber wechseln. Für einen befristeten Vertrag und vage Karriereperspektiven kündigt niemand seinen Job.
Bietet eine Firma aber ein positives Unternehmensimage, Aufstiegsmöglichkeiten, spannende Aufgaben und ein freundliches, kollegiales Umfeld, steigen auch die Chancen, den favorisierten Kandidaten für sich zu gewinnen. Der Wechsel vom Arbeitgeber- zum Arbeitnehmermarkt: In München ist er schon ein Stück weit Realität.
(Tatjana Krieger, September 2011 / Bild: Jeanette Dietl)