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Imagefaktor Zeitarbeit

Arbeitgeberattraktivität und Unternehmenskultur

Imagefaktor Zeitarbeit
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Zeitarbeit, Employer Branding, Mindestlohn, Leiharbeit, Firmenimage, Siemens, BMW, Arbeitnehmerüberlassungsgesetz, Gleichbehandlung, TarifWas haben Zeitarbeit und Employer Branding miteinander zu tun? Nichts? Falsch! Unternehmen, die ihre Leiharbeiter wie Arbeitnehmer zweiter Klasse behandeln, riskieren einen langfristigen Imageschaden. Denn so etwas spricht sich herum.

 

 


von Rainer Spies

Die Zeitarbeitsbranche kommt nicht umhin, sich modernisieren. Die Veränderungen in der Zeitarbeit machen sich nur an neuen gesetzlichen Regelungen und an dem mit Jahresbeginn geltenden Mindestlohn fest. Bereits in den Jahren zuvor haben einige Unternehmen vorgemacht, dass das personalpolitische Flexibilisierungsinstrument Zeitarbeit modernisierungsfähig ist. Nicht nur in Sachen Bezahlung gelten inzwischen neue Maßstäbe, auch schlagen viele Unternehmen in puncto Unternehmenskultur und Gleichbehandlung neue Wege ein. Aber der Reihe nach.

Zeitarbeit: Eine dauerhafte Überlassung verstößt gegen das Gesetz

Während im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) AÜG festgelegt ist, dass eine dauerhafte Überlassung nicht mehr möglich ist, wurde etwa bei Siemens bereits 2009 dazu Konkretes vereinbart. Danach muss einem Leiharbeitnehmer, der 18 Monate am Stück bei Siemens arbeitet, ein Stammarbeitsplatz angeboten werden. In den beiden letzten Jahren wurden bei Siemens 3.500 Zeitarbeitnehmer übernommen.

Entgeltvereinbarung: Gleiches Geld für die gleiche Arbeit

Auch in Sachen Entgelt hat sich für Zeitarbeiter bei Siemens etwas getan. Danach erhält ein Leiharbeitnehmer bei Siemens nach einer zunächst gestaffelten Anhebung ab dem sechszehnten Einsatzmonat ein Grundentgelt, das dem Tarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie entspricht.

Das Modell macht Schule. Über 1.200 "Besser-Vereinbarungen", die günstigere Arbeitsbedingungen für Zeitarbeitnehmer als die mit den Arbeitgeberverbänden der Leiharbeitsbranche ausgehandelten vorsehen, seien schon abgeschlossen worden, verkündet Jörg Weigand, beim Vorstand der IG Metall in Frankfurt verantwortlich für die Kampagne "Gleiche Arbeit - Gleiches Geld". Querbeet sowohl in großen als auch in kleinen Unternehmen seien diese Vereinbarungen zustande gekommen.

Zeitarbeiter: Arbeitnehmer zweiter Klasse? 

Wie stark sich die Praxis in einzelnen Unternehmen aufgrund des Drucks von Gewerkschaften und Betriebsräten gewandelt hat, zeigt auch das Beispiel BMW. Noch vor wenigen Jahren wurde in den Medien angeprangert, im BMW-Werk in Leipzig verdienten Zeitarbeitnehmer ebenso wenig wie Spargelstecher aus Polen.

Das war einmal. "Wir arbeiten an allen Standorten ausschließlich mit Zeitarbeitsfirmen, die sich vertraglich verpflichten, die uns überlassenen Mitarbeiter mindestens nach dem monatlichen Grundentgelt des jeweils gültigen Tarifvertrags der Metall- und Elektroindustrie zu bezahlen", sagt Nicole Kurek, bei BMW verantwortlich für das Thema Zeitarbeit. Die Regelung zur Bezahlung sei "ein Gebot der Fairness und Ausdruck von Wertschätzung gegenüber den Zeitarbeitskräften".

Gleichbehandlung von Zeitarbeitern

Das Thema Gleichbehandlung betrifft aber nicht nur den Aspekt der Bezahlung. "Bei uns ist für einen Außenstehenden nicht zu erkennen, ob ein Mitarbeiter fest angestellt oder ein Zeitarbeitnehmer ist", sagt Stephan Piwanski, Bereichsleiter Corporate HR bei der SMA Solar Technology AG in Niestetal.

Es gebe keine getrennten Räume für unterschiedliche Gruppen von Mitarbeitern und am wirtschaftlichen Erfolg sind bei dem Hersteller von Wechselrichtern für Solarstromanlagen die Leiharbeitnehmer ebenso beteiligt wie die Stammmitarbeiter.

Eine gute Unternehmenskultur etablieren

In der Vergangenheit oft nicht in Zusammenhang gebracht: Zeitarbeit und Employer Branding. Ein schwerer Fehler, der sich negativ aufs Firmenimage auswirken kann, warnt Reiner Kriegler, Geschäftsführer der Deutschen Employer Branding Akademie (DEBA) in Berlin: Egal ob festangestellt oder ausgeliehen, alle die im Unternehmen Beschäftigten prägten deren Kultur und müssten gleichbehandelt werden. "Werden Zeitarbeitnehmer im Entleihunternehmen nicht zur Weihnachtsfeier eingeladen, ist das nicht gerade Ausdruck einer wertschätzenden Kultur", verdeutlicht Kriegler.

Fazit: Informationen, wie ein Unternehmen mit seinen Zeitarbeitnehmern umgehe, erreichten nicht unbedingt die Absolventen von Hochschulen. Sehr wohl aber Berufserfahrene und im Zuge des Fachkräftemangels würden aus ehemaligen Zeitarbeitnehmern immer öfter potenzielle Kandidaten für eine feste Anstellung, betont Kriegler den Einfluss von Zeitarbeit auf die Arbeitgeberattraktivität.

Zeitarbeit und Arbeitgeberattraktivität – kein Gegensatzpaar

Nicole Kurek sieht das genauso. Auf die Gesamtwahrnehmung des Unternehmens als Arbeitgeber wirke sich die allen Mitarbeitern entgegengebrachte Wertschätzung und Fairness positiv aus. 

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