Social Networking im Internet - dazu gehören auch Arbeitgeberbewertungsplattformen. Personaler gehen mit diesem Thema aber gelassen um.
Das Suchergebnis ist bescheiden. Gerade einmal Bewertungen für vier Standorte von Nettofilialen bekommt der Besucher auf den ersten Blick angezeigt. Das ist nicht üppig für ein Großunternehmen, das als Lebensmitteldiscounter rund 4.000 Filialen in Deutschland betreibt und etwas über 50.000 Mitarbeiter beschäftigt.
Gute Bewertungen sind rar
Nur eine Bewertung fällt gut aus, der Verfasser schwärmt über "unglaublich gutes Arbeitsklima, super Arbeitsräume, klasse Vorgesetzte" in der Filiale in Ponholz. Die anderen drei Einträge zu den jeweiligen Filialen lesen sich in der Summe miserabel - egal, ob es sich um die abgefragten Kriterien wie Chef, Kollegen oder Gehalt/Sozialleistungen handelt. Fast überall gibt es nur einen von fünf Sternen - schlechter geht’s nicht.
Der Österreicher Martin Poreda hat kununu im Juni 2007 gegründet und sagt heute, dass seine Website das größte deutschsprachige Arbeitgeberbewertungsportal in Europa sei. Etwas über 40.000 Bewertungen registrierte das Portal Anfang Januar - damit ist Kununu mit gewaltigem Abstand der Primus in der Branche der Arbeitgeberbewertungsplattformen. Doch Martin Poreda beklagt einen Missstand: "Trotz einer Million Besucher pro Monat, kennt uns ein großer Teil der Menschen noch nicht."
Die Bedeutung von Social Media
Diese Aussage überrascht in einer Zeit, in der Social Media genannte Websites wie Foren, Blogs und Communities immer populärer werden. Doch nicht bei Personalverantwortlichen, wie die Unternehmensberatung IFOK (Bensheim in Hessen) im vorigen Jahr in einer Studie unter 800 Befragten herausgefunden hat.
Demnach messen zwar 60 Prozent der Befragten Social Media eine große Bedeutung zu - aber nur 25 Prozent haben bisher überhaupt zur Kenntnis genommen, was über ihr Unternehmen auf Arbeitgeberbewertungsplattformen geschrieben wird. Und gar nur vier Prozent verfolgt diese Einträge regelmäßig.
Personaler geben sich entspannt
Rechtfertigen Bewertungen für vier verschiedene Netto-Filialen den regelmäßigen Besuch bei Kununu? Ralf Ritter, Gesamtbereichsleiter Personal & Recht des Lebensmitteldiscounters, sagt, dass "Arbeitgeberbewertungsportale aktuell noch keine relevante Rolle in unserer Personal-/Mitarbeiterkommunikation spielen". Was aber nicht für ewig gelten muss: "Wir schließen nicht aus, Social Media in Zukunft stärker in unsere Arbeit zu integrieren und weiter auszubauen", so Ritter zum Online-Trend.
Der Textilhändler Peek & Cloppenburg ist schon etwas weiter. "Social Media nehmen wir ernst", betont Christina Kremer, die sich als Leiterin des Hochschulmarketings um die Ansprache von Absolventen kümmert. Diese junge Zielgruppe verlangt eine andere Kommunikation. Daher ist Peek & Cloppenburg schon mit einer eigenen Seite auf Facebook präsent, demnächst soll eine Firmenpräsentation auf Kununu platziert werden.
Den Trend nicht verschlafen
Das Unternehmen will den Trend bei Arbeitgeberbewertungsportalen nicht verschlafen, misst ihm aber auch nicht mehr Bedeutung bei, als er hat. "Wir nehmen diese Portale ernst, verfallen aber nicht in Unruhe", versichert Kremer. "Fakt ist jedenfalls, dass sich die Bewerber mehr Transparenz von Unternehmen wünschen."
Die Münchner Karriereberaterin Madeleine Leitner ist skeptisch, ob Arbeitgeberbewertungsportale wirklich diese umfassende Transparenz bieten können. "Mit Sicherheit gibt es dort mehr Auskunft über Unternehmen als in deren Werbebroschüren", sagt sie.
Müllhalde für Negativerlebnisse?
Die früher auch aus Headhunter arbeitende Personalfachfrau befürchtet aber, dass sich auf solchen Portalen vor allem die Nutzer auslassen, die ihre speziellen Negativerlebnisse mitteilen wollen. "Warum soll ich mir die Mühe machen, mich im Netz mitzuteilen, wenn es mir in meinem Job gut geht", fragt die Karriereexpertin.
Martin Poreda ist auf solche Vorhaltungen aber vorbereitet und versichert, dass 63 Prozent der Bewertungen auf Kununu einen positiven Tenor hätten. Und damit sein Portal nicht zu einer Arbeitgeber-Diffamierungsplattform verödet, würden acht Mitarbeiter ständig jede neue Mail lesen - und die Texte aussortieren, die beleidigend oder anderweitig unanständig sind. 10.000 dieser unanständigen Bewertungen seien bisher in den internen Spam-Ordner gewandert.
Qualitätskontrolle
Beim 2008 gegründeten und vergleichsweise kleinen Portal Evaluba gibt es eine technische Qualitätskontrolle der Bewertungen: Wenn ein Kommentar schlechter, aber auch besser als der Durchschnitt ausfällt, wird der Nutzer aufgefordert, per E-Mail eine konkrete Erklärung dafür zu liefern.
Vorher werden seine Noten nicht berücksichtigt. "Damit soll sichergestellt werden, dass bei uns keine Privatfehden ausgetragen werden", betont Evaluba-Vorstand Björn Schwenzer. Er hat auch schon festgestellt, dass Chefs eigenhändig Lobhudeleien über ihr eigenes Unternehmen platzieren wollten. "So etwas fällt aber schnell auf und wird verhindert", versichert Schwenzer.
Nur wenige Unternehmen aktiv
Mag es bisher noch nicht viele Unternehmen geben, die sich mit Arbeitgeberbewertungsportalen beschäftigen - die wenigen, die hier aktiv sind, nutzen solche Plattformen. "Aktivität durch Unternehmen hat zumeist einen positiven Effekt auf deren Image auf kununu", versichert Chef Poreda.
(Johanna Berger / Bild: RTimages, Fotolia.com)