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In langen Reihen sitzen sich die potenziellen Partner an kleinen Tischen gegenüber. In kurzer Zeit muss eine Entscheidung fallen. Näher kennenlernen oder ablehnen? Nach zehn Minuten ertönt ein Gong und eine Reihe rückt einen Tisch weiter - zum nächsten Gesprächspartner, zur nächsten Kurzpräsentation.
Das Konzept stammt eigentlich aus der Partnervermittlung. Inzwischen haben aber auch Unternehmen den Reiz des Speed-Datings für sich entdeckt. Allerdings geht es dann nicht um Liebe, Ehe und Familie, sondern um einen Arbeitsvertrag: Gegenüber sitzen sich Personaler und Bewerber.
Nur harte Fakten zählen
Was ist Ihre aktuelle Position? Wie hoch ist Ihre Budgetverantwortung? Wie groß das Team, das Sie derzeit führen? Was können Sie sonst noch? Und was erwarten Sie von Ihrem zukünftigen Arbeitgeber? Gesprächspartner kommen beim Job-Dating schnell und unumwunden zur Sache: Abgeklopft werden nicht Umgangsformen und Sympathiewerte, sondern nur die harten Fakten. Bei Gefallen wechseln Bewerbungsmappen und Visitenkarten den Besitzer. Dann wartet bereits der nächste Kandidat auf seinen Auftritt.
Die Idee, die Regeln des Speed-Datings mit der Personal- und Jobsuche zu verknüpfen, ist ein Import aus Großbritannien. Im Sommer 2009 fand die erste Veranstaltung dieser Art in Deutschland statt, seitdem folgten zahlreiche weitere. Unternehmen wie Bewerber nehmen die Chance zum Mitmachen dankbar an - denn für beide bietet sie Vorteile.
Chance für Bewerber mit ungewöhnlichen Lebensläufen
Firmen lernen beim Job-Dating sehr schnell eine große Anzahl möglicher Kandidaten kennen. Immerhin: In einer Stunde können sich Personaler ein Bild von sechs Kandidaten machen. Gerade kleine Firmen oder unbekannte Zulieferbetriebe, die wenige Bewerbungen erhalten, profitieren davon. Zudem kommen Personaler in Kontakt mit interessanten Menschen und ungewöhnlichen Lebensläufen, die im Standard-Bewerbungsprozess oft durchs Raster fallen und es gar nicht erst bis zu einem Vorstellungsgespräch schaffen.
Als Organisatoren treten meist die regionalen Arbeitsagenturen auf. Sie legen Ort, Termin und Zielgruppe fest, dann laden sie Arbeitssuchende wie Arbeitgeber ein. Der Arbeitgeber meldet der Arbeitsagentur seine freien Stellen und geht einfach hin. Kosten entstehen keine.
Zielgruppe einschränken
Als Schauplatz ist jeder Ort geeignet, der groß genug und gut erreichbar ist: eine Firmenzentrale, ein Gemeindesaal, das Autohaus, eine Fußball-Arena oder sogar ein Hausboot. Spitze Zielgruppe oder breite Masse? Auch diese Entscheidung legt der Veranstalter genau fest. Manche Termine richten sich gezielt an junge Hochschulabsolventen, die Generation 50plus, Akademiker, technische Berufe oder Langzeitarbeitslose.
Eine ausführliche Vorstellung ersetzt das Kurzrendezvous aber nicht. Vielmehr erfolgt beim Job-Dating eine erste Auswahl; infrage kommende Kandidaten lädt der Personaler dann zum Folgegespräch ein.
Schnell viele Kontakte knüpfen
Dennoch zeigen sich die teilnehmenden Firmen zufrieden. "Beim Job-Speed-Dating haben wir in kurzer Zeit viele interessante Kontakte geknüpft", meldet etwa die DIS AG, die im Oktober an einem Job-Dating mit Arbeitsuchenden ab 50 Jahren in Darmstadt teilgenommen hat und schränkt gleichzeitig ein: "Aufgrund der doch zu knappen Zeitfenster konnten wir uns nicht mit der für uns gewohnten Aufmerksamkeit den Kandidaten widmen."
Die Anzahl der Vermittlungen kann sich dennoch sehen lassen: Beim Chef-Dating in Potsdam für Controller, Vertriebsmitarbeiter, Programmierer und Ingenieure etwa wurden zwölf von 55 Teilnehmern eingestellt, das Speed-Dating in der Gelsenkirchener Veltins-Arena mit 1200 Bewerbern ergab eine Vermittlungsquote von zehn Prozent. Die Arge München kommt inklusive Vor- und Nachbereitungsphasen rund um ihr Job-Dating im örtlichen Rathaus im April 2010 sogar auf 511 Einstellungen bei 1295 Personen.
Voranmeldung erforderlich
Den umgekehrten Weg geht die Deutsche Bahn und veranstaltet das Speed-Dating einfach selbst. Fünf Termine waren es bislang, für 2011 ist schon der nächste geplant. "Das Company-Dating kommt gut an", erklärt Yvonne Arenhoevel, Referentin für Hochschulkooperationen. "Wir bekommen viele Bewerbungen dafür und es ist eine gute Gelegenheit, Kandidaten in unkonventioneller Atmosphäre kennenzulernen." Das Unternehmen sucht auf diesem Weg vorwiegend Techniker und Ingenieure für den Direkteinstieg oder seine Trainee-Programme.
Für jedes Company-Dating bewerben sich zwischen 40 und 50 Studierende, rund 20 davon werden ausgewählt und zum Speed-Dating eingeladen. Die Hälfte präsentiert sich auf die Schnelle so vielversprechend, dass sich ein zweites, individuelles Vorstellungsgespräch anschließt.
Personalmarketing inklusive
2000 Euro kostet ein Company Dating die Deutsche Bahn, Marketing und Catering für die Teilnehmer inklusive. Teuer ist das nicht. So manche Stellenanzeige belastet das Budget stärker. Aber lohnt es sich auch für kleinere Unternehmen, selbst als Veranstalter aktiv zu werden? Arenhoevel ist sich sicher: "Es lohnt sich für jede Firma, die sich innovativ positionieren möchte, selbst wenn sie nur zwei Stellen zu besetzen hat."
Denn über die reine Rekrutierung hinaus hat das Job-Dating noch einen weiteren Nutzen für das Personalmarketing: Indem das Unternehmen als progressiver Arbeitgeber vor Ort auftritt, bleibt es im Gespräch und in der Erinnerung der Menschen, präsentiert gleichzeitig einem großen Personenkreis, was es Bewerbern zu bieten hat, und die Personalabteilung erweitert wie nebenbei ihr Netzwerk.
(Tatjana Krieger / Bild: Jeremias Münch, Fotolia.com)