Warenkorb 0,00 €

Rekrutierung & Vergütung

HR-Magazin durchsuchen

 

Form to

Die Erstellung eines Arbeitszeugnisses ist kostspielig und zeitaufwändig. Immer mehr Personalabteilungen gehen daher dazu über, diese Aufgabe outzusourcen. An Profischreiber, deren Job es ist, Beurteilungen für Menschen zu erstellen, die sie noch nie gesehen haben.

 

 

Eine von ihnen ist Jennifer Herbert aus Friedrichsdorf. "Gerade kleine Firmen sind oft damit überfordert, ein Zeugnis zu schreiben", erklärt sie. "Weil es nicht zu den Routinearbeiten in der Personalabteilung gehört, ist es günstiger, schneller und einfacher, den Job auszulagern."

Wenn es mal schnell gehen muss...

Besonders schnell muss es gehen, wenn bei Massenentlassungen sehr viele Zeugnisse auf einen Schlag fällig werden. Schließlich wollen sich die Betroffenen zügig auf eine neue Stelle bewerben. Auch dann kommen Profi-Schreiber wie Jennifer Herbert ins Spiel.

Die Kosten für ein Zeugnis betragen zwischen 50 Euro für einfache Zeugnisse mit Mengenrabatt und 350 Euro für Zeugnisse von Top-Führungskräften in englischer Sprache inklusive Karriereberatung, wie es etwa die Firma Leaderspoint in Düsseldorf anbietet.

Befremden - keine Seltenheit

Oft begegnet den Dienstleistern Befremden: Ein Zeugnis verfassen für Menschen, die man nie getroffen hat - geht das überhaupt? Es geht. Weil oft auch in den Personalabteilungen großer Konzerne die Verantwortlichen nicht alle Mitarbeiter kennen. Und weil die Informationen über Aufgaben, Projekte, Betragen, persönliche Stärken und Eigenschaften auf einem Beurteilungsbogen - oft nach Notenschlüssel - vom Personaler oder vom direkten Vorgesetzen kommen.

Jennifer Herbert und ihre Kollegen gießen diese dann in die üblichen Floskeln "zur vollsten Zufriedenheit", "stets einwandfrei" oder "zu unserem großen Bedauern ausscheiden". Sprachlich nicht immer preisverdächtig, aber rechtlich unangreifbar.

Und der Datenschutz?

Bevor der Auftrag unter Dach und Fach ist, müssen die Anbieter die Datenschutzerklärung des Unternehmens unterschreiben. "Damit verpflichten wir uns, die Daten der Mitarbeiter nicht weiterzugeben und nach Projektabschluss zu löschen", betont Birgit Kallenbach von Move Service in Frankfurt. Neben den Angaben im Beurteilungsbogen erhält sie dann Namen und Geburtsdatum der Mitarbeiter. "Allerdings wird das Geburtsdatum zunehmend gestrichen, wegen des Allgemeinen Gleichstellungsgesetzes."

Lebenslauf oder Informationen über Abmahnungen und Fehltage bleiben unter Verschluss. Bei Ver.di hält man die Auslagerung für bedenklich. Sprecher Jan Jurczyk räumt aber ein, dass das Bundesdatenschutzgesetz die so genannte Auftragsdatenverarbeitung ausdrücklich vorsehe. Ähnlich ist es in der externen Lohnbuchhaltung seit vielen Jahren üblich. "Der Arbeitnehmer muss jedoch darüber informiert werden, dass seine Daten von anderen Stellen weiterverarbeitet werden. Dies muss entweder die Personalabteilung tun oder der externe Dienstleister", so Jurczyk.

Das Geschäft brummt

Können sich die Profi-Schreiber eigentlich über den Aufschwung und das Jobwunder freuen? Oder nagt es am Auftragsvolumen, wenn die Firmen mehr Mitarbeiter suchen statt entlassen? Beschweren möchte sich keiner, im Gegenteil. Bei Jennifer Herbert ist das Geschäft stark gewachsen, viele Unternehmen strukturieren sich neu, fusionieren, tauschen ihre Führungskräfte aus - dann sind etliche Zwischenzeugnisse fällig. "Es ist viel Bewegung im Markt", sagt Herbert. Ähnlich beurteilt das auch Hans-Uwe Dahmen, der in Duisburg unter www.zeugnisfabrik.de seinen Service anbietet und 60 Prozent seiner Umsätze mit Zwischenzeugnissen bestreitet.

(Tatjana Krieger / Bild: Eyezoom1000)

 

Bewerten Sie diesen Artikel:
 
Durchschnittliche Bewertung:
 
Gesamtanzahl abgegebener Stimmen:
7
 

*=Erforderlich
(E-Mail-Adresse)
(E-Mail-Adresse)
(Geben Sie den Namen Ihres Freundes ein),
(Geben Sie Ihren Namen ein)

Ihre E-Mail wurde verschickt. Vielen Dank.
Diese Seite drucken