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Den Mitarbeiter als "Mitunternehmer" gewinnen - von dieser Idee sind zahlreiche Betriebe angetan. Angestellte, die von ihren Arbeitgebern beteiligt werden, sind Studien zufolge motivierter, leistungsstärker und eher bereit, sich länger an ihre Firma zu binden.
Angesichts des Fachkräftemangels, der neben der zunehmenden Alterung der Beschäftigten wie ein Damoklesschwert über der Wirtschaft schwebt, ist die von der Politik "Investivlohn" genannte Beteiligung womöglich der entscheidende Hebel, um sich als attraktiver Arbeitgeber aus der Masse hervorzuheben.
Stiefkind Mitarbeiterbeteiligung
Freilich wird die Mitarbeiterbeteiligung in deutschen Unternehmen noch immer wie ein Stiefkind behandelt. Im internationalen Vergleich liegt sie weit zurück. Nach Angaben des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) beteiligen neun Prozent der Betriebe ihre Mitarbeiter am Gewinn, zwei Prozent am Vermögen. In Großbritannien sind es 40 und 23 Prozent, in Frankreich 57 und sieben Prozent.
Die hohe Quote dort wird auch deshalb erreicht, weil es für bestimmte Unternehmen eine Verpflichtung gibt. Im Unterschied dazu favorisiert die deutsche Politik in ihren bisher vorgelegten Initiativen das Prinzip der Freiwilligkeit. Damit wird man den Rückstand kaum aufholen können.
Mehr Fairness in der Globalisierung
Grundsätzlich ist die Politik bemüht, die Mitarbeiterbeteiligung als Mittel einzusetzen, um die Globalisierung fairer zu gestalten. Während die Reallöhne der Arbeiter und Angestellten in den vergangenen Jahren stagnierten oder sogar zurückgingen, nahmen die Gewinne der Unternehmen und Kapitalbesitzer erheblich zu, allein 2007 um 7,2 Prozent. Von diesem Anstieg sollen Beschäftigte profitieren - eben durch Mitarbeiterbeteiligung.
Die Zuversicht der Firmenlenker, dank beteiligter Mitarbeiter den Unternehmenskurs positiv beeinflussen zu können, könnte durch neue Erkenntnisse Auftrieb erhalten. Eine Studie des Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW), Tübingen, wies zum Beispiel nach, dass das Wachstum bei Beteiligungsunternehmen mehr als doppelt so hoch ausfällt wie bei Firmen ohne Mitarbeiterbeteiligung. Die Fehlzeiten liegen bei lediglich zwei Prozent, und die Produktivität ist ein Viertel bis ein Drittel größer.
Mitarbeiter binden, Mitarbeiter motivieren
Doch Mitarbeiterbeteiligung ist nicht allein ein scheinbar erfolgreiches Instrument der Mitarbeitermotivation. Mittelständische Unternehmen, die zwar stets großes Interesse an der Mitarbeiterbeteiligung signalisieren, letztlich aber den entscheidenden Schritt doch nicht wagen, sollten einen weiteren Aspekt beachten - Basel II.
Denn mit dem richtigen Beteiligungsmodell verbessert der Unternehmer nicht nur die Kapitalstruktur seines Betriebs, weshalb er mit niedrigeren Zinsen rechnen kann. Er gewinnt auch betriebswirtschaftlichen Spielraum: Mit dem Kapital seiner Mitarbeiter kann er Projekte finanzieren, ins Ausland expandieren und sein Rating bei den Banken verbessern. Nicht zuletzt weiß der am Kapital beteiligte Mitarbeiter: Kreditwürdigere Unternehmen bieten auch sicherere Arbeitsplätze.
Aktien statt Optionen
Wer Mitarbeiter beteiligen will, kann unter zahlreichen Alternativen wählen, zum Beispiel die Aktienoption. Allerdings steckt der Klassiker der Mitarbeiterbeteiligung nach dem New-Economy-Debakel tief in der Krise. Statt ein erklecklicher Gewinn beim Verkauf der zugeteilten Aktien blieb nach dem Börsenabsturz für viele Mitarbeiter unter dem Strich ein dickes Minus. Inzwischen geben Konzerne statt Optionen lieber Aktien zum Tageskurs aus.
Weit größeren Zuspruch erfahren hingegen Belegschaftsaktien. Sie sind unter allen Modellen der Mitarbeiterbeteiligung mit Abstand am beliebtesten: Rund 70 Prozent des gesamten Mitarbeiterkapitals in Deutschland werden hier verbucht. Belegschaftsaktien werden deutlich unter dem Tageskurs gewährt und dürfen erst nach Ablauf einer Sperrfrist veräußert werden. Aktionäre bestimmen auf der Hauptversammlung mit, ob der Vorstand gute Arbeit leistet, wer in den Aufsichtsrat gehört und wie der Gewinn ausgeschüttet wird.
GmbH-Anteile
Ebenfalls weit verbreitet sind GmbH-Anteile. Als Gesellschafter tragen Mitarbeiter volle Verantwortung und stehen auch für Verluste gerade. Dafür sind sie unmittelbar in Betriebsabläufe und Entscheidungsprozesse eingebunden. Wie bei Belegschaftsaktien oder KG-Beteiligungen (Kommanditgesellschaft) müssen die jeweiligen Einlagen sowie die konkrete Kapitalerhöhung im Handelsregister veröffentlicht werden.
Vor allem im Mittelstand beliebt sind stille Beteiligungen und Genussscheine, auch Mezzanin-Kapital genannt. Hier fehlt der Mitbestimmungsanspruch, dafür sind die finanziellen Vorteile für Arbeitgeber und Mitarbeiter verlockend. Mezzanin-Kapital erhöht die Eigenkapitalquote, was eine höhere Kreditwürdigkeit sowie bessere Ratings nach sich zieht.
Mitarbeiterdarlehen
Ein weiteres Modell sind Mitarbeiterdarlehen. Dabei leihen sich Unternehmen Geld von ihren Mitarbeitern. Die Kredite sind günstiger als bei Banken, der Zinssatz orientiert sich an Hypothekenpfandbriefen. Mitarbeiterdarlehen werden über eine Bürgschaft abgesichert und sind gegen Insolvenz versichert. Das Mitarbeiterdarlehen gilt als unproblematischer Einstieg in die Mitarbeiterbeteiligung und ist wie geschaffen für Beschäftigte, die nach einer attraktiven Anlage suchen, sich aber nicht in Firmenbelange einmischen wollen.
Schließlich kann man bei der Mitarbeiterbeteiligung auch auf Zeitwertkonten zurückgreifen. Mehr geleistete Arbeitszeit wird in Darlehen umgewandelt. Greift der Arbeitnehmer auf ein Zeitwertkonto zurück, kann er die überschüssige Arbeitszeit für einen Urlaub oder eine Weiterbildung nutzen oder den Gegenwert in die betriebliche Altersversorgung investieren. Das betrieblich angesparte Kapital ist eine relativ sichere Anlage, die womöglich künftig deutlich niedriger besteuert wird.
(Winfried Gertz, August 2010 / Bild: Andres Rodriguez, Fotolia.com)