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Sich mit der Firma und ihren Aufgaben identifizieren, Verantwortung übernehmen - solchen ohne Wenn und Aber zum unternehmerischen Denken und Handeln fähigen Beschäftigten gilt die ganze Aufmerksamkeit, wenn Unternehmen ihre Mitarbeiter beteiligen. Alles über stille Beteiligungen und Genussscheine.

 

 

Mitarbeitern die Chance eröffnen, sich ins Unternehmen einzubringen, kann man auf verschiedene Weise. Der Bielefelder Baudienstleister Goldbeck hat sich für das Modell der stillen Beteiligung entschieden. Wer mindestens zwei Jahre bei der Firma angestellt ist, hat Anspruch auf jährlich bis zu drei Anteilsscheine zu einem Nennwert von jeweils 211 Euro, die das Unternehmen mit 45 Euro steuerfrei bezuschusst.

Stille Beteiligung

"Die jährlichen Dividenden können sich sehen lassen", sagt Thomas Domeyer, Leiter des Rechnungswesens und Ansprechpartner für die beteiligten Mitarbeiter. In 23 Jahren lagen sie im Mittel bei knapp 13 Prozent. "Wo kriegt man das schon?", fragt der Vorsitzende des Partnerausschusses, in dem vier ausgewählte stille Gesellschafter Mitglied sind, sicherlich zu Recht.

Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Partnerschaft in der Wirtschaft (AGP), die seit vielen Jahren die Entwicklung der Mitarbeiterbeteiligung in der Deutschen Wirtschaft kritisch verfolgt, gewähren etwa 1400 deutsche Betriebe ihren Beschäftigten stille Beteiligungen oder Genussscheine und tragen somit zu einer tiefen Bindung bei.

Genussscheine

Weit mehr als die Konkurrenz für die Mitarbeiter zu leisten, ist auch Richtschnur für das Management der Itemis AG in Lünen. Der zweimalige Innovationspreisträger des Landes NRW gewährt seinen Mitarbeitern Genussscheine. "Wir nehmen uns für die Mitarbeiter und ihre Weiterentwicklung mehr Zeit als für das operative Management", sagt Vorstand Jens Wagener. Sogar Kunden müssen zurückstehen - Nummer eins sind die Mitarbeiter.

Viele Mitarbeiter gewinnt das Unternehmen bereits während des Studiums, denn wer sich mit "modellgetriebener Softwareentwicklung" befasst, landet quasi automatisch bei Itemis, das mit vielen Hochschulen im Ruhrgebiet Forschungsprojekte verfolgt. "Informatiker sind weniger als andere Mitarbeiter von materiellen Einflüssen abhängig", charakterisiert Wagener seine Belegschaft. "Sie begeistern sich an technischen Fragen und wollen sich in anspruchsvollen Projekten voll einbringen."

Überdurchschnittliche Gehälter und gute Aufstiegschancen

Der finanzielle Aspekt steht also nicht im Vordergrund, was bei bis zu 20 Prozent Verzinsung erstaunlich ist. Dabei zahlt Itemis überdurchschnittliche Gehälter, ein Tag der Arbeitswoche steht allen Mitarbeitern zur Weiterbildung frei. Schneller als bei der Konkurrenz wird aus Einsteigern ein Team- oder Projektleiter. Wer will, kann sogar noch mehr Verantwortung übernehmen. Deshalb will Wegener es auch nicht bei Genussscheinen belassen. "Mitarbeiter sollen sagen: Das ist meins", skizziert Wagener das Upgrade auf mehr Beteiligung und Mitsprache. Das soll ihnen als Aktionären rechtlich zustehen.

"Mitarbeiterbeteiligung setzen wir nicht ein, weil wir denken, dass durch ein solches Modell eine höhere Motivation erreicht werden könnte", sagt Wagener. "Tun wir es nicht, würden wir Gefahr laufen, unsere Mitarbeiter zu demotivieren." Halten wir fest: Mitarbeiterbeteiligung kann für eine kurzfristig wirksame Kosten- und Liquiditätsentlastung sorgen sowie zur Stärkung der Unternehmensfinanzierung und zum Erhalt der Arbeitsplätze beitragen. Sie sichert den Mitarbeitern ein Anrecht auf Beteiligung am Aufschwung und kann einer nachhaltigen Unternehmensentwicklung Vorschub leisten.

Mitarbeiterguthaben-Modell

Gründe, die auch die im saarländischen Merchweiler ansässige Varitec AG bewogen, ihre Mitarbeiter zum beidseitigen Vorteil zu beteiligen. Das Unternehmen, das Arztpraxen und Patienten mit Hilfe eines eigenen elektronischen Lieferservice versorgt, hat ein Mitarbeiterguthaben-Modell. Jährlich werden den Beschäftigten 25 bis 30 Prozent des Ergebnisses vor Steuern gutgeschrieben. Das auf dem Guthabenkonto erwachsene Kapitalvermögen wird bei Ausscheiden aus dem Unternehmen zur Auszahlung fällig.

Solange Mitarbeiter an Bord sind, wird das Guthaben-Kapital verzinst, Steuern und Sozialabgaben werden erst bei Auszahlung fällig. Unter dem Strich verbessert das Unternehmen seine Liquidität und steigert dank hoch motivierter Mitarbeiter auch die Erträge. So sehr solche Beispiele den beiderseitigen Nutzen der Mitarbeiterbeteiligung auch illustrieren - die Zahlen könnten weit besser sein.

War for Talents

Laut AGP sind nur etwa 2,4 Millionen Mitarbeiter in Deutschland an ihren Betrieben beteiligt, jeder zweite als Aktionär. Im Mittelstand stellen rund 700.000 Mitarbeiter über Genussrechte oder stille Beteiligungen ihren Arbeitgebern Kapital zur Verfügung. Systeme der Kapitalbeteiligung werden lediglich bei zwei Prozent der Unternehmen praktiziert.

Betriebe, die ihre Mitarbeiter beteiligen, sind aber um bis zu 20 Prozent produktiver, so das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Wer Mitarbeitern seine Schokoladenseite zeigt, ist einfach besser für schlechtere Zeiten gerüstet. Dort will man hin, und dort geht man auch nicht weg. Und das spricht sich herum: In Zeiten des zahlenmäßig zurückgehenden Angebots an Fach- und Führungskräften sind Firmen, die ihre Mitarbeiter beteiligen und ihnen sinnvolle Perspektiven bieten, weit im Vorteil.

(Winfried Gertz, Dezember 2010 / Bild: Helix, Fotolia.com)

 

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