Einer Umfrage zufolge bieten nur zwei von drei Firmen von sich aus eine Entgeltumwandlung zur Altersvorsorge ihrer Mitarbeiter an. Experten wundern sich. Denn das angelegte Geld gilt als krisensicher und bringt steuerliche Vorteile für Unternehmen.
Im Prinzip ist die legendäre Aussage von Norbert Blüm, die Renten seien sicher, unverändert gültig. Nicht nur die umlagefinanzierte staatliche Rentenversicherung widerlegt seit Jahren ihre Kritiker, die einen frühzeitigen Bankrott des Systems heraufbeschwören.
Staatlich, privat und betrieblich - die drei Säulen der Altersvorsorge
Auch das Nebeneinander von staatlicher, privater wie betrieblicher Altersvorsorge (BAV) ist erfolgreich, wie zahlreiche Studien dokumentieren. So trägt die 2002 eingeführte Riesterrente dazu bei, die zuvor von Unternehmen drastisch zurückgefahrenen Leistungen aufzufangen. Gleichzeitig wurde von der Politik der Anspruch auf Entgeltumwandlung eingeführt, wovon Arbeitnehmer wie Arbeitgeber gleichermaßen profitieren.
Dass das in die BAV investiertes Geld sicher ist, zeigt das vorsichtige Anlageverhalten der Deutschen Wirtschaft. Die Unternehmen legen das Kapital überwiegend in Bundesanleihen und zum Beispiel in sicheren Immobilienfonds an. Diese risikomindernde Strategie schließt einen im Vergleich zu den USA deutlich geringeren Anteil an Aktienanlagen ein.
Nachholbedarf ist groß
Laut der auf Vergütung und betriebliche Altersversorgung spezialisierten Unternehmensberatung Towers Watson sank die Aktienquote in den letzten Jahren von rund 30 auf 20 Prozent. Nummer eins beim Pensionsvermögen ist demnach Siemens mit gut 21 Milliarden Euro, gefolgt von BASF und EON. Zwar stiegen die Pensionsverpflichtungen der DAX-Konzerne in 2009 erstmals seit Jahren wieder an. Dafür hätten positive Erträge bei der Anlagegestaltung diesen Aufwand nahezu kompensiert, teilte Towers Watson jüngst mit.
Dennoch ist in deutschen Betrieben hinsichtlich der betrieblichen Altersversorgung nicht alles Gold was glänzt. 44 Prozent der Mitarbeiter in der Privatwirtschaft sind nach Angaben der Stuttgarter Sparkassen-Versicherung noch immer ohne betriebliche Altersversorgung. Während laut Stiftung Warentest nahezu jeder Beschäftigte in Betrieben mit mehr als 200 Mitarbeitern Ende 2008 eine Rentenanwartschaft besaß, ist der Nachholbedarf in kleinen Unternehmen besonders groß.
Firmen sparen bares Geld
Einer Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung zufolge bieten nur zwei von drei Firmen eine Entgeltumwandlung von sich aus an, obwohl sie davon finanziell profitieren. Aber auch für Mitarbeiter könnte sich lohnen, den Arbeitgeber an seine gesetzliche Verpflichtung zu erinnern. Wie eine Studie des FAZ-Instituts ergab, glaubt jeder dritte Arbeitnehmer ohne betriebliche Altersversorgung, er sei bereits hinreichend fürs Alter abgesichert. Knapp 40 Prozent behaupten, mangels eigener Mittel komme eine Entgeltumwandlung für sie nicht in Frage.
Doch gerade die Entgeltumwandlung könne in der Krise das Miteinander im Betrieb stärken, sagt BAV-Experte Reiner Schwinger von Towers Watson. "Damit würden Arbeitgeber viel für ihren guten Ruf tun." Seit 2001 können Unternehmen unabhängig davon, für welchen der fünf Durchführungswege Direktversicherung, Pensionskasse, Pensionszusage, Pensionsfonds und Unterstützungskasse sie sich auch entscheiden, in hohem Maß Steuern und Abgaben sparen, wenn sie den Rechtsanspruch ihrer Mitarbeiter in die Tat umsetzen.
Prämiensystem zur Altersvorsorge
So entschied sich 2002 beispielsweise die in Hörstel-Bevergern beheimatete BMU Brinkmann Möbelelemente Ummantelungswerke dafür, ihren Mitarbeitern mit Direktversicherung, Pensions- und Unterstützungskasse drei Wege zur Betriebsrente zu ebnen. 80 Prozent der rund 120 Angestellten nutzen inzwischen das Angebot und bringen meist ihr Weihnachts- oder Urlaubsgeld ein, im Schnitt 900 Euro im Jahr. Zehn Prozent zahlt der Chef obendrauf. Hat ein Mitarbeiter Ideen eingebracht, etwa zur Verbesserung von Produktionsabläufen, kommt eine Prämie hinzu.
An den motivationsfördernden Effekt der betrieblichen Altersversorgung ist man auch beim Heidelberger Software-Unternehmens Systematika überzeugt. Im Unterschied zu BMU Brinkmann, wo die Beschäftigten im Vergleich zum Arbeitgeber den größten Teil einbringen, übernimmt Systematika die Leistungen komplett selbst.
Mitarbeiterzufriedenheit stärken, Fluktuation senken
Zehn Prozent des Gehalts zahlt die Firma zusätzlich aufs Rentenkonto. Seither sank die Fluktuation im Betrieb quasi auf null. Die Beispiele zeigen, wie Firmen personalpolitische Ziele geschickt mit finanziellen Vorteilen verbinden, wofür sie bei einem Wettbewerb der Wirtschaftsmagazins Impulse zu Recht als Sieger hervorgingen.
Dass sich Unternehmen angesichts solcher Vorbilder nun auf die betriebliche Altersvorsorge stürzen, ist freilich kaum zu erwarten. Dazu trägt nicht nur das unausrottbare Vorurteil bei, man handle sich damit nur Papierkram und Bürokratie ein. Auch die in der Krise immer wieder beschworene Gefahr, Pensionspläne würden belastet und deutschen Betriebsrentnern stünden karge Zeiten bevor, motiviert ebenfalls kaum zu entschlossenem Zupacken.
Eine sichere Sache
Tatsächlich ist die BAV eine einzige Erfolgsgeschichte. Mancherorts gilt sie sogar als "heilige Kuh", die beim Kostensenken als Tabuzone umgangen wird. "Zwar ist die betriebliche Altersversorgung ein großer Personalkostenblock", sagt Holger Scheepers, General Manager Compensations and Benefits bei TNT Express in Troisdorf. "Wir sehen sie aber als wichtigen Aspekt der Fürsorge für unsere Mitarbeiter und lassen sie deshalb unangetastet." Weil viele Mitarbeiter nicht genüg übrig hätten, um Entgeltbestandteile in Vorsorgeleistungen abzuzweigen, "ist die betriebliche Altersversorgung, die der Arbeitgeber finanziert, für uns unverzichtbar."
(Winfried Gertz, Mai 2010 / Bild: Niceshot, Fotolia.com)