Diversity: Alt und jung harmonieren
In vielen Unternehmen lässt sich eine recht homogene Struktur der Mitarbeiter in einzelnen Bereichen feststellen. Im Hinblick auf die geschlechterspezifische Zusammensetzung der Belegschaft, das Thema Gender ist hier in aller Munde, bewegt sich zumindest einiges und gemischte Teams von Frauen und Männern nehmen zu .
Nach wie vor trifft man jedoch bei Diversity in Bezug auf das Alter, noch eher auf Zurückhaltung und Skepsis. Auch wenn aufgrund des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) nicht explizit ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin für ein "junges Team" gesucht werden darf, so wird doch der jüngere Bewerber mit weniger Bedenken auf die vakante Position gesetzt, also ein Kandidat, der den Altersdurchschnitt der Abteilung nach oben schnellen ließe.
Demographische Entwicklung nicht außer Acht lassen
Vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung kann Unternehmen nur empfohlen werden, sich intensiv mit der Thematik der älter werdenden Arbeitnehmer auseinander zu setzen und Chancen darin zu entdecken. Waren im Jahre 1990 gerade 20 % der Bevölkerung über 60 Jahre sind dies heute bereits 26 % und von der Bundeszentrale für politische Bildung prognostiziert bis 2020 30,5 %. Berücksichtigt man die Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67, so wird sich der Anteil der älteren Arbeitnehmer auf dem Arbeitsmarkt noch deutlich erhöhen. Man muss also sinnvolle Konzepte entwickeln, wie dieser demographischen Entwicklung in den Unternehmen unter Berücksichtigung von wirtschaftlichen Gesichtspunkten Rechnung getragen werden kann.
Frührenten vermeiden
Insbesondere in den letzten zwanzig Jahren wurden auf breiter Front ältere Arbeitnehmer bereits ab Mitte 50 vorzeitig in Rente geschickt. Dies teils mit staatlicher Förderung, auch unter Inkaufnahme von enormen Wissensverlusten in den Betrieben. So sind es nicht Einzelfälle, bei denen die Mitarbeiter, nachdem Sie offiziell ausgeschieden waren, mit Beraterverträgen wieder in die Unternehmen geholt wurden, da deren Wissen nicht einfach ersetzt werden konnte. Im Gegensatz zu früher stehen heute jedoch schon rein zahlenmäßig nicht ausreichend jüngere Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt zur Verfügung. Auf die große Zahl älterer Arbeitnehmer kann daher nicht verzichtet werden.
Potenziale der Senioren nutzen
Oft werden Vorurteile genannt, dass z.B. die Lernfähigkeit im Alter als geringer bzw. schwächer angenommen wird. Einschlägige Wissenschaften haben dies jedoch widerlegt. Ältere Arbeitnehmer lernen nur anders, daher sollten die Lernkonzepte dem Rechnung tragen. Dennoch fällt die Teilnahme an betrieblicher Weiterbildung nach einer Untersuchung des ddn (Das demographische Netzwerk) bei über 50-jährigen mit 22 Prozent geringer aus als im Gesamtdurchschnitt (27%).
Unternehmen sind demnach weniger bereit in ihre älteren Arbeitnehmer zu investieren. Gleichzeitig ist die betriebliche Anerkennungskultur von Erfahrung und Wissen nur gering ausgeprägt.
Gerade auch bei der Neueinstellung von Mitarbeitern können sich Qualifizierungsmaßnahmen bei älteren Bewerbern jedoch lohnen, da die Kandidaten häufig über ein breites Erfahrungswissen verfügen, auf das aufgebaut werden kann. Bei Bewerbern, die zuvor arbeitslos waren, bestehen auch zahlreiche Fördermöglichkeiten seitens der Arbeitsagenturen.
Kundenzielgruppen nicht vergessen
Betrachtet man nochmals die demographische Entwicklung unter einem anderen Gesichtspunkt, so wird deutlich, dass auch die Kundenzielgruppen im Durchschnitt immer älter werden. Gerade im Vertrieb, der immer noch sehr stark von einem allgemeinen "Jugendwahn" geprägt wird, ist die Akzeptanz eines Beraters in der Regel höher, wenn er sich auf Augenhöhe mit seinem Kunden bewegt und dessen Bedürfnisse verstehen kann. Vor diesem Hintergrund bieten sich durchaus Chancen für ältere Vertriebsmitarbeiter bei spezifischen Zielgruppen und Märkten.
Wissenstransfer sicherstellen und Synergien nutzen
Eine gesunde Mischung von älteren und jüngeren Arbeitnehmern ist auch eine wichtige Voraussetzung, um die Weitergabe von Wissen über die Mitarbeitergenerationen sicher zu stellen und unterschiedliche Stärken nutzen zu können. Während jüngere Arbeitnehmer oft mit neuesten theoretischen Kenntnissen und Schnelligkeit punkten können, verfügen ältere Kollegen über einen breiten Erfahrungsschatz. Dieser erlaubt es ihnen, Sachverhalte ganzheitlich zu beurteilen und daraus tragfähige Lösungen abzuleiten. Aus dem Zusammenspiel dieser unterschiedlichen Schwerpunkte und Fähigkeiten, lassen sich Synergien entwickeln und Fortschritt erzielen. Freilich wird dieser Prozess nicht immer ganz reibungslos verlaufen, wenn sich unterschiedliche Vorstellungen treffen. Doch gerade in diesem Austausch und Ringen um die beste Lösung liegt ein enormes Potenzial in der Zusammenarbeit zwischen jüngeren und älteren Arbeitnehmern zum Wohle eines Unternehmens.
Bereitschaft zur Zusammenarbeit fördern
An der Tatsache, dass Unternehmen verstärkt auf ältere Arbeitnehmer setzen sollten, wird kein Weg vorbei führen. Hierzu ist es notwendig, dass innerhalb der Unternehmen ein Wertesystem besteht, das sowohl Erfahrungswissen honoriert als auch Raum lässt für innovative, unkonventionelle Ideen. Nur wenn Unternehmen dafür Sorge tragen, dass bei allen Beteiligten die Bereitschaft besteht, offen und vorurteilsfrei im Team zusammen zu arbeiten, gelingt es, Diversity im Alltag zu leben.
Rahmenbedingungen schaffen
Insbesondere die Schaffung von entsprechenden Rahmenbedingungen wie altersgerechte Arbeitsplatzgestaltung, entsprechende Gesundheitsvorsorge oder die bereits erwähnte auf die Bedürfnisse älterer Arbeitnehmer ausgerichtete Weiterbildung, können einen wichtigen Beitrag zur erfolgreichen Einbindung älterer Arbeitnehmer in den Arbeitprozess darstellen. So wurden in den vergangenen Jahren spezielle Demographieberater ausgebildet, die insbesondere klein- und mittelständische Unternehmen für das Thema Demographieentwicklung sensibilisieren sollen.
Diversity, insbesondere unter dem Aspekt der altersspezifischen Zusammensetzung der Belegschaft, kann Unternehmen durchaus Wettbewerbsvorteile bieten und deren Sorge im Hinblick auf die zukünftige demographische Entwicklung deutlich reduzieren. Wer jetzt die richtigen Weichen stellt und entsprechende Rahmenbedingungen schafft, wird auch den Prozess des Wissenstransfers erfolgreich meistern können. Die richtige Mischung ist eben entscheidend.
(Doris Brenner, Februar 2012 / Bild: Dougberry)
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