Warenkorb 0,00 €

Personalmanagement

 

Die Bindung der Mitarbeiter ans Unternehmen wird für Personalabteilungen eine zunehmend wichtige Aufgabe. Dass hier in den Betrieben noch einiges zu tun bleibt, belegen verschiedene Untersuchungen.

 

 

Bei Sonntagsreden sind sich immer alle einig: Landauf, landab gelten die Mitarbeiter als die wichtigste Ressource eines Unternehmens. Im Arbeitsalltag spiegelt sich diese Bedeutung allerdings oft nur unzureichend wider. Selbst wenn man dieses Ungleichgewicht nur unter dem Gesichtspunkt sieht, was es ein Unternehmen kostet, einen Ersatz für einer unzufriedenen - und daher wechselwilligen - Spitzenkraft zu suchen, ist der Aufwand ernüchternd: Er liegt bei etwa den doppelten Gehalts- und Gehaltsnebenkosten.

Schäden in Milliardenhöhe

Das Forschungsunternehmen Gallup hat im Jahr 2001 einmal hochgerechnet, was das für Firmen unterschiedlicher Größe bedeutet. Danach liegen die jährlichen Kosten eines Unternehmens bei einer Mitarbeiterfluktuation von 15 Prozent im Schnitt bei 25.000 Euro (Unternehmen mit zehn Mitarbeitern) beziehungsweise 6,9 Millionen Euro (2500 Mitarbeiter).

Seit dem Jahr 2001 veröffentlicht Gallup jährlich den Engagement Index, der auf den immer gleichen zwölf Fragen zum Arbeitsplatz und -umfeld beruht. Für die jüngste Untersuchung, deren Ergebnisse Gallup kürzlich veröffentlicht hat, befragte das Forschungsunternehmen im vergangenen Herbst knapp 2000 zufällig ausgewählte deutsche Arbeitnehmer ab 18 Jahren. Die Ergebnisse gelten als repräsentativ für die Bundesrepublik.

Bedürfnisse werden ignoriert

Fazit der Studie: Nach wie vor ignorieren Führungskräfte in vielen Betrieben die zentralen Bedürfnisse und Erwartungen ihrer Mitarbeiter teilweise oder komplett. Die Folge sei eine geringe Motivation der Arbeitnehmer: 21 Prozent weisen laut Gallup keine emotionale Bindung an ihr Unternehmen auf, was sich negativ auf ihr Verhalten auswirkt und damit zu Lasten der Leistungsfähigkeit des Unternehmens gehe.

Zwei Drittel leisteten aufgrund ihrer geringen emotionalen Bindung an den Arbeitgeber Dienst nach Vorschrift und nur 13 Prozent verfügten über eine hohe emotionale Bindung. Diese Gruppe engagierte sich freiwillig für das Unternehmen und dessen Ziele.

Emotional nicht ans Unternehmen gebunden

Die Ergebnisse reihen sich in die der vergangenen zehn Jahre nahtlos ein: Seitdem liefert die Gallup-Befragung zwar leicht schwankende, aber im Grundsatz immer die gleichen Resultate. Die aus dem Mitarbeiterverhalten resultierenden Produktivitätseinbußen führen, laut Marco Nink, Strategic Consultant bei Gallup, "zu einem volkswirtschaftlichen Schaden von mehr als 120 Milliarden Euro".

Zum Beispiel weisen die Mitarbeiter, die sich nicht emotional an ihr Unternehmen gebunden fühlen, im Durchschnitt um knapp 30 Prozent mehr Fehltage auf als ihre emotional gebundenen Kollegen. Das allein summiert sich laut Gallup bereits auf jährlich 3,7 Milliarden Euro. "Je höher die Bindung, desto wahrscheinlicher ist es, dass sich ein Mitarbeiter im Sinne seines Arbeitgebers verhält", sagt Nink. Und: wer sich gebunden fühlt, wechselt auch seltener den Arbeitgeber.

In Mitarbeiterbindung investieren

Angesichts von Fachkräftemangel und demografischem Wandel ist das ein kaum zu unterschätzendes Problem. "Investitionen in die emotionale Mitarbeiterbindung zahlen sich also aus", so Nink. Der im Jahr 2005 verstorbene Managementberater Peter F. Drucker, der den Begriff des Wissensarbeiters prägte, stellte einst sinngemäß fest: "Wir müssen uns an den Gedanken gewöhnen, dass Unternehmen weit mehr von ihren besten Mitarbeitern abhängen als die guten Leute vom Unternehmen."


Eine zentrale Rolle bei der Mitarbeiterbindung kommt den Führungskräften zu. Laut Gallups Engagement Index würden 45 Prozent der emotional ungebundenen Mitarbeiter, aber nur drei Prozent der emotional stark gebundenen Kollegen ihren direkten Vorgesetzten umgehend entlassen, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten. "Diese Personen werden von ihrer Führungskraft vernachlässigt", sagt Nink. "Beispielsweise fühlen sich emotional ungebundene Mitarbeiter zu selten von ihrem Vorgesetzten eingebunden."

Kaum Unterstützung vom Vorgesetzten

Die von der Personalberatung Towers Watson im vergangenen Jahr zum vierten Mal aufgelegte Global Workforce Study kommt beim Anteil der hoch und moderat motivierten Mitarbeiter zwar zu etwas anderen Zahlen - zwei Drittel der Beschäftigten zählt zu dieser Gruppe -, aber auch diese Studie unterstreicht die Bedeutung der Führungskräfte für eine starke Bindung der Mitarbeiter ans Unternehmen.

So vermisst ein Fünftel der Befragten die Unterstützung des direkten Vorgesetzten und nur 45 Prozent meinen, dass ihre direkten Vorgesetzten gute Leistungen entsprechend würdigen. Die Verbundenheit zum Unternehmen wird laut der Studie auch wesentlich vom Top-Management beeinflusst. Schätzt die Belegschaft es als ineffektiv ein, steigt die Bereitschaft, den Arbeitgeber zu wechseln, auf 50 Prozent.

Apell an Führungskräfte

Towers Watson befragte für seine Studie rund 20.000 Arbeitnehmer aus 27 Ländern, in Deutschland mehr als tausend. Die Teilnehmer arbeiteten überwiegend in mittleren und großen Unternehmen. Zusätzlich zu diesen Daten nutzte Towers Watson bei der Analyse die eigene Normdatenbank mit mehr als vier Millionen Mitarbeitermeinungen. Aus ihr flossen in die deutsche Stichprobe fast 40.000 Mitarbeitermeinungen ein.

Gallup-Berater Nink appelliert daher an die Führungskräfte: "Sie müssen sich ihrer eigenen Stärken und Schwächen bewusst werden und ihren Führungsstil am Menschen orientieren, um den Erwartungen und Bedürfnissen ihrer Mitarbeiter gerecht zu werden." Sonst funktioniert Mitarbeiterbindung nicht.

(Michael Vogel / Bild: Gernot Krautberger, Fotolia.com)

 

 
 
Gesamtanzahl abgegebener Stimmen:
8
 

*=Erforderlich
(E-Mail-Adresse)
(E-Mail-Adresse)

Ihre E-Mail wurde verschickt. Vielen Dank.
Diese Seite drucken

Google+