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Geschäftsreisende in unsicheren Ländern geraten oft in bedrohliche Situationen. Absolute Sicherheit gibt es nicht. Doch kluge Vorbereitung verringert die Risiken.

 


Konzentrierten sich früher die Reisen auf reiche und meist sichere Länder der Ersten Welt, zieht es heute viele Unternehmen auf die "Emerging Markets". Hinter dem neutralen Begriff verbergen sich meist Länder der Zweiten und Dritten Welt - und Krisengebiete. 

Geschäftsreisende sind ein "ideales Ziel"

Von der allgemeinen Kriminalität und den Unsicherheiten des Alltags, wie Krankheiten oder marode Verkehrsmittel bis zu gezielt gegen Geschäftsreisende gerichtete Attacken, fordern diese Reiseziele besonders Business-Traveller mit vielen Gefahren. 

Für viele Kriminelle sind sie das ideale Ziel: Dank Anzug und Krawatte sind Geschäftsreisende weithin erkennbar, mit Kreditkarten und anderen Extras ausgestattet und tragen meist teure Ausrüstung mit sich. Zudem weiß der Kriminelle im Krisenfall einen potenten Geldgeber im Hintergrund, der wahrscheinlich wenig Wert auf Medienwirbel legt.

Tausende Entführungen pro Jahr

Besonders gefürchtet sind Entführungen. Die gute Nachricht: Statistisch gesehen sind sie im Vergleich mit anderen Straftaten selten. Die schlechte Nachricht: Die Zahl der Entführungen steigt. Aufgrund der hohen Dunkelziffer ist es nur schwer festzustellen, wie viele Menschen tatsächlich betroffen sind. Schätzungen gehen von jährlich 10.000 bis 15.000 Opfern weltweit aus. 

Nur eine von zehn Entführungen wird gemeldet, vermuten beispielsweise die Nassau Versicherungen, gerade internationale Firmen behandeln Entführungen in der Regel sehr diskret, um Nachahmer nicht zu ermutigen. Beunruhigend ist auch die Tatsache, dass weltweit mehr Geschäftsreisende als Privatpersonen entführt werden. Viele organisierte Banden der klassischen Kidnapping-Regionen Lateinamerika, Mittlerer Osten und Russland zählen mittlerweile fest darauf, dass die Opfer gegen Entführungen versichert sind.

Eine Frage des Wissens

Neben den Gefahren für Leib und Leben drohen zudem Datenklau und Industriespionage. Sogar Korruption kann sich zur Gefahr entwickeln. Zum Beispiel, wenn Polizei oder Justiz nur gegen Schmiergeld tätig werden und zur Erpressung eines solchen sich vor allem an Ausländer halten.

Die meisten Geschäftsreisenden sind freilich nur mangelhaft vorbereitet, und auch die entsendenden Firmen haben in gut der Hälfte aller Fälle keine Notfallpläne für den Ernstfall. Dabei kann Wissen lebensrettend sein. Zu den Basics gehören Informationen zur politischen Lage am Reiseziel, genauso wie eine Einschätzung, ob die lokale Polizei im Krisenfall unterstützend wirkt – oder, auch das ist möglich, eine weitere Gefahr darstellt. 

Wer bietet Informationen?

Die Notrufnummern der deutschen Botschaft sowie der lokalen Polizei sollten im Handy gespeichert werden. Unersetzbar ist auch eine gewisse persönliche Skepsis und Wachsamkeit: Steht am Flughafen wirklich ein Repräsentant der Firma? Fährt der Taxifahrer in die richtige Richtung? Wer sind eigentlich die potentiellen Kunden oder Partner? Und in welchem Viertel liegt das Hotel? Wer ein Luxushaus inmitten der verrufensten Gegend der Stadt bucht, setzt sich auf dem Weg von und zur Unterkunft unnötigen Risiken aus.

Für viele Destinationen der Welt sind diese Informationen freilich nur schwer zu beschaffen. Internationale Organisationen wie ASI-Europe (www.asi-europe.de), Stratfor Strategic Forecasting (www.stratfor.com) oder Corporate Risk International (www.corprisk.com) bieten individuelle Sicherheiteinschätzungen und Informationsdossiers. 

Professionelles Sicherheitstraining und Seminare

Genauso sinnvoll kann ein Sicherheitstraining für Geschäftsreisende sein, wie es beispielsweise der Ludwigsburger Berater Joachim Leis (www.mentalleis.de) anbietet. Für ihn heißt es vor allem "Raus aus der Opferrolle". Im Rahmen von Schulungen lernen die Teilnehmer beispielsweise, wie sie sich im Krisenfall verhalten müssen – und wie man gar nicht erst als potentielles Opfer wahrgenommen wird. Auch gegen Entführungen gibt es einfache aber effiziente Mittel: "Schon allein die Vorkehrung, nicht jeden Tag zur selben Zeit denselben Weg zum Büro zu nehmen und damit einfach weniger vorhersehbar zu sein, kann Wunder wirken".

Informationen erhält man auch über den Verband Deutsches Reisemanagement (www.vdr-service.de), der ebenfalls Seminare anbietet. Allerdings sind nicht alle Informationen des Verbandes für Nichtmitglieder verfügbar.

Gut abgesichert

Erweist sich das Reiseziel als Risikogebiet, bietet der Versicherungsmarkt eine breite Palette an Versicherungen, die speziell auf die Bedürfnisse von Geschäftsreisenden zugeschnitten wurden nicht nur vor den Folgen der genannten Risiken schützen, sondern auch mit Informationsportalen aufwarten – wie beispielsweise die Nassau Versicherungen (www.nassauversicherungen.de), Europäische Reiseversicherung (www.reiseversicherung.de/de/versicherung/geschaeftsreise/index.html), und Elvia - Mondial Assistance International AG (www.businesstravelassist.de). 

Wichtig ist: Egal für welches Unternehmen man sich letztlich entscheidet, sie sollte über eine rund um die Uhr besetzte, mehrsprachige Notrufzentrale verfügen, um im Notfall Rechtsbeistand, Dolmetscher, ärztliche Hilfe, Geld und Ersatzdokumente zu beschaffen.

(Francoise Hauser, 2010 / Bild: Lim Jerry, Fotolia.com)


Francoise Hauser ist freie Journalistin und Buchautorin. Sie ist Trainerin für interkulturelle Seminare und betreibt den Blog Asientext

 

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