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Familie, Kinder und Karriere - das geht

Familie, Kinder und Karriere - das geht
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Kinder sind Karriere-kompatibel. Das beweisen Unternehmen, die Mitarbeiter in ihrer Elternrolle unterstützen. Mit welchen Angeboten Sie rechnen können – und wie Sie an sie herankommen.

 



Robin Hood reitet wieder. Furchtlos durch die Lande, gefolgt von seiner Bande. Allerdings liegt dieser Sherwood Forest nicht in der Grafschaft Nottinghamshire, sondern in Westfalen. Statt einer Räuberhöhle wartet auf das Dutzend Reiter im Alter von sechs bis zwölf Jahren ein Kinderbauernhof. Seit 2001 bietet der Lackhersteller BASF Coatings, Münster, die Ferienbetreuung "Lacki Kids" an. 

Hilfe bei Kinderbetreuung

Je zwei Mottowochen finden in den Oster-, Sommer- und Herbstferien statt: "Zirkus" bringt kleine Zauberer und Jongleure groß raus, "Südafrika" verbindet Fußball und Exotik, "Robin Hood" rächt Witwen und Waisen. Morgens um acht holt ein Bus die rund 20 Mitarbeiterkinder vor dem Werk ab und fährt sie am späten Nachmittag zurück. Pädagogisch qualifiziertes Personal sorgt für ausgefüllte Tage, ein externer Dienstleister für die Organisation. Die Eltern zahlen 75 Euro pro Woche – inklusive Verpflegung –, den Rest schießt BASF Coatings zu.

"Eine gute Balance zwischen Arbeit und Privatleben ist die entscheidende Grundlage für Zufriedenheit und Leistungsfähigkeit, von der die Mitarbeiter und das Unternehmen gleichermaßen profitieren", erläutert BASF-Personalchef Hans-Carsten Hansen. Nach einer Studie der Managementberatung Kienbaum sind deshalb flexible Arbeitszeiten und Hilfen bei der Kinderbetreuung die häufigsten Maßnahmen, die Unternehmen jungen Eltern anbieten.

Beispiel BASF

BASF deckt dabei den kompletten Zeitraum von der Geburt bis zum Schulabschluss ab. Am Hauptstandort Ludwigshafen nehmen zwei Kinderkrippen, "LuKids Nord" und "LuKids Süd", zusammen rund 70 Kinder zwischen sechs Monaten und drei Jahren auf. 

Ferienprogramme wie "Lacki Kids" gibt es an den meisten größeren Standorten, etwa Sportcamps für Sechs- bis Elfjährige oder Medienworkshops für Zwölf- bis 14-Jährige. Jugendliche ab 14 schnuppern im internationalen Austauschprogramm "BASF Global Family" den Duft der großen weiten Konzernwelt. Sie leben zwei Wochen bei einer Gastfamilie in Europa, den USA, China oder Thailand – anschließend kommt von dort ein Jugendlicher zu Besuch nach Deutschland.

Väter an den Wickeltisch

Die gesetzliche Elternzeit von maximal 36 Monaten wird vielerorts durch ein Bündel von Maßnahmen ergänzt, die die betreuungsintensiven ersten Lebensjahre überbrücken helfen. Der Automobilzulieferer Robert Bosch hat dafür die Internetseite www.teilzeit-bei-bosch.de eingerichtet, zudem können Mitarbeiter in einer Online-Datenbank nach offenen Teilzeitstellen suchen oder sich allgemein anhand einer Teilzeit-Broschüre informieren. Männer und Führungskräfte sind ausdrücklich angesprochen – Erfahrungsberichte sollen Bedenken in dieser Zielgruppe zerstreuen. Wie Bosch mitteilt, hat sich die Zahl der männlichen Beschäftigten in Elternzeit binnen kurzem verdreifacht, wobei immer mehr Anträge über die zwei Partnermonate hinausgehen.

Der IT-Dienstleister Datev verfolgt einen ähnlichen Ansatz, um Väter aus der Reserve zu locken. Ein "Väterbrief" genanntes Informationspaket fasst die Angebote für Familien zusammen, obendrauf gibt es eine persönliche Beratung, einen Musterantrag für die Elternzeit, zwei Tage Sonderurlaub und eine Geburtsbeihilfe von 500 Euro. Daimler lädt Mitarbeiter zu Vater-Kind-Wochenenden ein, an denen Spiel und Spaß im Vordergrund stehen – und nebenbei Kompetenzen für den Familienalltag vermittelt werden.

Eltern helfen Eltern

Networking mit Kollegen, die ebenfalls Kinder haben, tut nicht allein der Psyche gut, sondern trägt dazu bei, kleine Alltagsprobleme zu lösen. So lässt sich schnell mal eine Betreuung für den Notfall oder ein Kinder-Buggy aus zweiter Hand organisieren. Manche Unternehmen knüpfen eifrig an solchen Netzwerken mit. Vodafone nutzt seine Internet-Plattform "Vodafone at home", um die Mitarbeiter auch während der Elternzeit einzubinden. 

In die gleiche Richtung zielt das dreistufige Elternzeit-Programm des Naturkosmetikherstellers Weleda. Phase eins, in der das Unternehmen Informationen zu den rechtlichen Rahmenbedingungen und zu den eigenen Unterstützungsmaßnahmen bereitstellt, beginnt unmittelbar nach Bekanntgabe der Schwangerschaft. Der Beginn der Elternzeit läutet Phase zwei ein – mit Patenschaften für junge Eltern,  Weiterbildung,  Workshops und der Chance, in den Elternzeitler-Pool  zu gehen, aus dem sich Urlaubs- und Krankheitsvertretungen rekrutieren. Nach der Rückkehr in den Berufsalltag beginnt Phase drei: Flexible Arbeitsmodelle erleichtern den Wiedereinstieg.

Mittelstand entdeckt Work-Life-Balance

Konzerne sind beim Thema Work-Life-Balance führend, weil Instrumente wie Betriebskindergarten oder Rückkehrprogramm eine bestimmte Nachfrage voraussetzen. Doch auch im Mittelstand finden sich Vorbilder. So hat das Modeunternehmen Deerberg auf seinem Firmengelände in der Lüneburger Heide ein Ferienlager für Mitarbeiterkinder eingerichtet. Erzieherinnen toben mit den Kindern auf dem Spielplatz, erkunden den Wald oder basteln bei Regen drinnen. Die Eltern leisten keinen finanziellen Beitrag. Sie bringen sich anders ein – mit Spielzeug, das sie für kleines Geld auf Flohmärkten kaufen.

Glatter Start mit Kind

Werdende Mütter und Väter sollten rechtzeitig einige Weichen stellen, um sich nicht aufs Abstellgleis zu manövrieren. Fünf Tipps zu "Geburtsvorbereitung" und "Nachsorge":

1. Chef gewinnen
Das Mutterschutzgesetz sieht vor, dass Arbeitnehmerinnen eine Schwangerschaft ihrem Arbeitgeber mitteilen "sollen", "sobald ihnen ihr Zustand bekannt ist". Zwar heißt "sollen" nicht "müssen", trotzdem empfiehlt es sich, die Karten auf den Tisch zu legen, bevor sich das freudige Ereignis sonstwie ankündigt. Nur so kann der Arbeitgeber seinen besonderen Pflichten nachkommen, die sich aus dem Gesetz ergeben. Zeigen Sie Engagement: "Ich möchte Sie frühzeitig über meine Schwangerschaft in Kenntnis setzen, und ich habe mir schon Gedanken gemacht, wie es gelingen kann, dass meine Auszeit den Betriebsablauf möglichst nicht beeinträchtigt."

2. Kollegen ins Boot holen
In kleinen Teams bedeutet die Familienpause einer Mitarbeiterin oft Mehrarbeit, manchmal auch Ärger, wenn Zuständigkeiten umverteilt werden. Beugen Sie Konflikten vor, indem Sie Vorschläge für organisatorische Änderungen machen. Dazu gehört, dass Sie Expertenwissen teilen und die Kollegen in Ihr Sachgebiet einarbeiten. Auf keinen Fall raushängen lassen, dass der Job Sie für die nächsten Monate nicht mehr interessiert. Als werdender Vater lassen Sie die Kollegen ebenfalls an Ihrem künftigen Familienleben teilhaben – sonst sieht es aus, als hätten Sie kein Vertrauen.

3. Anker werfen
Aus den Augen, aus dem Sinn – das darf Ihnen nicht passieren. Sorgen Sie dafür, dass Sie weiter im Informationsfluss schwimmen. Zugang zum Intranet vom Heimarbeitsplatz aus ist wichtig. Erkundigen Sie sich einmal im Monat telefonisch nach aktuellen Projekten Ihrer Abteilung und nach der allgemeinen Lage im Unternehmen. Wenn Sie keine Einladung zur Betriebsfeier erhalten, gehen Sie dennoch hin. Merke: Es reicht nicht, einmal während der Elternzeit mit Kinderwagen ins Büro zu schneien und den Kollegen Gespräche über Windeln und Windpocken aufzuzwingen.

4. Auf Ballhöhe bleiben
Vor allem in technischen Berufen ist es fatal, fachlich den Anschluss zu verpassen. Nehmen Sie sich Zeit für Weiterbildung, wobei Sie auf die branchenüblichen Abschlüsse, Zertifikate etc. achten. Planen Sie diese Maßnahmen unbedingt vor Antritt der Babypause, damit klar ist, dass der Arbeitgeber die Kosten übernimmt.

5. In Raten wiedereinsteigen
Wie rasch sich Ihr Arbeitsplatz verändert, merken Sie erst, wenn Sie nach längerer Abwesenheit an ihn zurückkehren. "Von null auf hundert" sollten Sie jetzt nicht zu beschleunigen versuchen. Tasten Sie sich vorsichtig in den Job zurück, etwa über eine Urlaubsvertretung oder eine Teilzeitvereinbarung. So lernen Sie neue Kollegen oder Arbeitsabläufe kennen, ohne dass Sie in Fettnäpfchen treten.

Christoph Stehr / Bild: Ursula Deja)