Branchentrend Softwareentwickler
Softwareentwickler sind gefragte Fachkräfte, wenn sie mit den modernen Formen der Programmerstellung vertraut sind. Der Bedarf am Arbeitsmarkt bleibt ungebrochen.
Software findet man heute fast überall — im Auto, in der Mikrowelle oder der Fertigungsstraße. So verwundert es nicht, dass bei einer Umfrage des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) anlässlich der Computermesse Cebit in diesem Jahr fast 60 Prozent der Unternehmen angaben, dass sie im Tätigkeitsfeld der Softwareentwicklung aktuell die meisten IT-Fachkräfte suchen. Die Softwareentwicklung wurde fast doppelt so oft erwähnt, wie die am zweit- und dritthäufigsten genannten Tätigkeitsfelder IT-Projektmanagement und IT-Sicherheit.
Informatikabsolventen sind begehrter als Fachinformatiker
Grundsätzlich, so ein VDI-Sprecher, bringen Hochschulabsolventen für die heutigen Anforderungen in der Softwareentwicklung bessere Voraussetzungen mit als Fachkräfte, die zum Beispiel eine Ausbildung als Fachinformatiker absolviert haben. Denn da die Kunden steigende Ansprüche in punkto Geschwindigkeit, Qualität und Kosten haben, setzen die Unternehmen bei der Softwareentwicklung auf eine immer stärker ingenieursmäßig geprägte Herangehensweise: Standardisierung und Automatisierung der Softwarekomponenten und ihre Wiederverwendung, verbunden mit ausgereiften Entwicklungsprozessen.
"Agile Verfahren ersetzen immer häufiger klassische Vorgehensmodelle, weil sich mit ihnen flexibler und schneller entwickeln lässt", sagt Professor Stefan Jähnichen, Präsident der Gesellschaft für Informatik. Hinzu komme die wachsende Bedeutung von grafischen Modellierungssprachen wie UML sowie von Test- und Validierungsverfahren. "Tester und Entwickler arbeiten heutzutage parallel und eng zusammen, um dadurch bereits in einem frühen Stadium die Qualität der Software sicherstellen zu können."
Zukunftsmarkt Fahrzeugtechnik
Bei den technischen Systemen, in denen Software eine wichtige Rolle spielt, — Maschinen, Autos — bekommt das Thema Zuverlässigkeit nochmals eine ganz neue Bedeutung, denn "die Zahl der Interaktionen ist zum Beispiel bei einem Steuergerät im Fahrzeug viel größer als in klassischen IT-Systemen", sagt Jähnichen. Er geht davon aus, dass bei solchen eingebetteten Systemen die Bedeutung der Software noch weiter zunehmen wird — was sie eindeutig als Arbeitsfeld für Entwickler prädestiniert.
Cloud Computing verändert die klassische IT
Aber auch in der klassischen IT werden Entwickler sich auf Veränderungen einstellen müssen. "Sicherlich keine Revolutionen aus Sicht der Softwareentwicklung, aber neue Aspekte, die die Arbeit im Alltag beeinflussen", sagt Stephan Ziegler, Bereichsleiter Software beim Branchenverband Bitkom. Ein Stichwort in diesem Zusammenhang ist das Cloud Computing, also die Bereitstellung von IT-Leistungen in Echtzeit über Datennetze, anstatt auf lokalen Rechnern. Der Bitkom geht von hohen zweistelligen Wachstumsraten in diesem Segment aus.
"Für einen Softwareentwickler ist die Cloud zunächst einfach ein neues Liefermodell in einer bestimmten Infrastruktur", sagt Ziegler. "Aber er benötigt natürlich eine Vorstellung von der Grundarchitektur, um Cloud-Systeme pflegen und warten zu können. Vor allem auch im Hinblick auf die IT-Sicherheit." Ist ein Entwickler für das Deployment, also die Installation der Software auf den Systemen zuständig, muss ihm auch klar sein, wie die Virtualisierung funktioniert, um die Performance sicherstellen zu können. Unter Virtualisierung versteht man in der IT eine Trennung zwischen logischen und physischen Ressourcen der Infrastruktur, um zum Beispiel eine bessere Auslastung der Systeme zu erreichen.
Trend: Automatisierung und Systemintegration
Ziegler erwartet, dass in der nahen Zukunft auch noch ein anderes Themengebiet für Softwareentwickler wichtiger wird: die durchgehende Automatisierung der Systeme für die Planung und Steuerung von Unternehmens-, Produktions- und Fertigungsressourcen. "Heute sind das noch mehr oder minder getrennte Welten", sagt Ziegler. "Sie zu integrieren, bedeutet zu 80 Prozent Entwicklungsarbeit, bei der es darum geht, Datenmassen aus zig Quellen in der Fertigung in einem definierten Prozess so aufzubereiten, dass sich daraus verwertbare Informationen für die Steuerung der Unternehmensressourcen ableiten lassen."
Gute Wirtschaftslage
Die Aussichten für spannende und tendenziell immer stärker abstrahierende Aufgaben, weg vom eigentlichen Schreiben des Programmcodes, sind für entsprechend qualifizierte Softwarespezialisten also gut.
Der Bedarf wird natürlich auch durch die Konjunkturerwartungen der ITK-Unternehmen gestützt, wie die jüngste Umfrage des Bitkom zeigt: Für das erste Quartal dieses Jahres weist der von dem Branchenverband erhobene Geschäftsklima-Index ein Allzeithoch aus — mehr als drei Viertel der Anbieter meldet steigende Umsätze im Vergleich zum Vorjahr. Und die Branche ist relativ gut durch die Wirtschaftskrise gekommen.
Gehaltssteigerungen sind minimal
Die IG Metall bezweifelt allerdings trotz dieser guten Nachrichten, dass die ITK-Branche unter einem dramatischen Fachkräftemangel leidet. Im Durchschnitt seien die Gehälter im vergangenen Jahr nämlich nur um rund 1,5 Prozent gestiegen, so die Gewerkschaft anlässlich der Vorstellung ihrer jährlich erhobenen Entgeltanalyse.
Softwareingenieure verdienten demnach mit steigender Berufserfahrung im Durchschnitt zwischen 41.050 Euro und 63.370 Euro, was einer Gehaltserhöhung zwischen 0,9 und 1,4 Prozent entspreche. Ein Leiter Software Engineering musste laut der IG Metall sogar leicht sinkende Bezüge akzeptieren, durchschnittlich verdiente er 91.650 Euro.
(Michael Vogel, November 2011 / Bild: zothen)
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