Arbeitsmarkt Marketing: Neue Ideen begehrt
Der Stellenmarkt für Marketingfachkräfte profitiert von der brummenden Wirtschaft. Allerdings lässt sich ein Teil des Stellenangebots sicherlich auch durch die im Vergleich höhere Wechselbereitschaft der Markenbotschafter erklären.
Das Web 2.0 hat die Partitur der Marketingabteilungen in den Unternehmen spürbar verbreitert. Die veränderte Mediennutzung und der Siegeszug der Smartphones tun ihr übriges. Spannende Zeiten also für Marketingfachleute. "Der Markt im Umfeld von Social Media und Web 2.0 hat signifikant angezogen", bestätigt Frank Schabel, Marketing- und Kommunikationschef beim Personaldienstleister Hays. Die Unternehmen griffen zunehmend das Thema auf und suchten entsprechendes Personal. "Da das Thema noch recht jung ist, sind geeignete Kandidaten am Arbeitsmarkt rarer gesät als für klassische Marketingqualifikationen."
Agenturen stellen viele Absolventen ein
Besonders macht sich das laut Schabel auch im Agenturbereich bemerkbar, einem der großen Arbeitsmarktsegmente der Marketiers: "Solange ein Unternehmen noch keine eigenen Kräfte aufgebaut hat, nutzt es verstärkt die Ressourcen von Agenturen für die neuen Kommunikationswelten." Wobei im Agenturarbeitsmarkt traditionell das Personal schneller wechselt. "Die Agenturen nehmen auch gerne Absolventen", sagt Michael Dorn, Senior HR Consultant bei Personal Total in Stuttgart. Schon allein aus Kostengründen, aber auch weil die Agenturen dadurch ein steter Fluss neuer Ideen erreicht.
Hohe Wechselbereitschaft
Ganz abgesehen von den Spezifika der Agenturwelt haben Marketingfachleute allgemein eine höhere Bereitschaft, den Job zu wechseln — etwa im Vergleich zu Ingenieuren. Laut Dorn gibt es bei Unternehmen im Marketing vor allem eine starke Nachfrage für die Bereiche Marktanalyse und Wettbewerbsbeobachtung.
IT-Kenntnisse sind beliebt
"Da sind dann auch Statistikkenntnisse gefragt, was viele Marketingfachkräfte nicht vorweisen können", sagt er. Auch Frank Schabel betont, dass trotz digitalen Trends noch immer auch die klassischen Marketingaufgaben wie Mediaplanung oder Veranstaltungsmanagement gefragt sind. "Es zeigt sich aber schon, dass das Wissen immer wichtiger wird, wie IT-Systeme das Marketing auf vielfältige Weise unterstützen können." Bewerber ohne diesen Hintergrund hätten es einfach schwerer. "Das trifft auch auf Fachkräfte zu, die nur ein Spezialgebiet kennen, also keinen breiten Überblick haben."
Zunahme an Stellenanzeigen für Marketiers
Die Zahl der Ausschreibungen für Marketingpositionen ist im Lauf des Jahres gestiegen — wie in fast allen Bereichen des Arbeitsmarktes aufgrund der guten Konjunktur. Quantitativ lässt sich das zum Beispiel am Adecco-Stellenindex ablesen. Er erfasst die Jobofferten in 40 ausgewählten Printmedien in Deutschland und liefert Hinweise auf Struktur und Veränderungen des Stellenmarktes. Demnach haben in diesem Jahr bis Ende Oktober die Arbeitgeber rund 2700 Anzeigen geschaltet, die sich konkret an Marketingfachkräfte richteten. Das sind etwa 14 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.
"Die Zunahme an Stellenanzeigen geht zum großen Teil auf eine deutliche Steigerung der Angebote im Bereich der Fertigungs- und Hightech-Industrien zurück", sagt Petra Reinholz, Geschäftsführerin der Adecco Personaldienstleistungen GmbH. "Im Bereich Chemie und Pharma hingegen war die Zahl der Offerten für Marketingfachkräfte rückläufig." Das Gros der Stellenanzeigen kommt aber — siehe oben — weiterhin aus dem Bereich Agenturen und Marktforschungsdienstleister.
Die meisten Marketingabteilungen bevorzugen Betriebswirte
"Im Vergleich zu anderen vertriebsnahen Funktionen ist der Anteil der Stellenangebote für Akademiker im Marketing mit mehr als 50 Prozent besonders hoch", sagt Reinholz. Wenig überraschend: Mit fast 30 Prozent ist der Studienhintergrund "Betriebswirt" dabei die am häufigsten gesuchte Qualifikation. Aber immerhin rund ein Achtel der Anzeigen richtet sich explizit an Ingenieure oder Naturwissenschaftler. Das belegt, dass es auch für Hightech-Unternehmen immer wichtiger wird, Marketing zu betreiben.
Gehälter sind unterschiedlich hoch
Da Marketing als Querschnittsaufgabe in sämtlichen Unternehmen vorkommt, fallen die Bezüge der Fach- und Führungskräfte sehr unterschiedlich aus — von Branche zu Branche und von Unternehmen zu Unternehmen. Die Spanne der Gesamtbezüge reicht bei Fachkräften in Marketing und Vertrieb laut einer Vergütungsstudie der Personalberatung Kienbaum, die im Sommer erschienen ist, von weniger als 30.000 Euro bis mehr als 200.000 Euro. Der obere Bereich ist jedoch tendenziell den Vertrieblern vorbehalten. Laut Kienbaum haben Fach- und Führungskräfte im Marketing dieses Jahr durchschnittlich zwei Prozent mehr Grundgehalt in der Tasche als 2010. Der variable Anteil bei Führungskräften im Marketing ist weiter gestiegen und hat inzwischen einen durchschnittlichen Anteil von 21 Prozent an der Gesamtvergütung erreicht.
Das Gros der Unternehmen bevorzugt junge Mitarbeiter
Seine künftige Gehaltsentwicklung kann ein Bewerber also sehr stark durch die Wahl des Arbeitgebers und die konkrete Position beeinflussen. Da sich die Branche tendenziell als jung und dynamisch sieht, haben es Ältere nicht leicht, besonders nicht, wenn sie sich in den heutigen digitalen Welten nicht auskennen. "Letztlich hängt diese Einschätzung aber immer auch von den Erwartungen des Arbeitgebers bei der konkreten Stellenbesetzung ab", warnt Frank Schabel vor zu viel Pessimismus. "Pauschale Aussagen sind daher mit Vorsicht zu genießen."
( Michael Vogel, Februar 2012 / Bild: nyul )
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