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Auch die Stars des Arbeitsmarktes müssen sinkende Einkommen hinnehmen. Aber es gibt Lichtblicke. Für Einsteiger und in gesuchten Branchen gelten Ausnahmen. Ein Überblick über aktuelle Einkommensstudien für Ingenieure. 






An der Krise kommt offenbar niemand vorbei. Selbst die Stars des Arbeitsmarktes müssen Federn lassen. Im vergangenen Jahr sind die Einkommen von Ingenieuren sowohl bei den Führungskräften als auch in den Fachpositionen um jeweils rund drei Prozent geschrumpft.

Kienbaum-Studie

Auf der Führungsebene liegen die durchschnittlichen Einkommen bei rund 100.000 Euro, Fachleute haben etwa 60.000 Euro verdient. Das sind die Ergebnisse der Vergütungsstudie 'Ingenieure in Führungs- und Fachpositionen 2009' der Managementberatung Kienbaum, die auf Angaben von über 550 Unternehmen und mehr als 3800 Positionen basiert.

"Wegen des im vierten Quartal 2008 einsetzenden Konjunkturrückgangs konnten viele Unternehmen ihre Umsatz- und Ergebnisziele nicht erreichen. Das hat sich auf die Höhe der variablen Vergütung ausgewirkt. Da der Abschwung 2009 unvermindert anhält, werden die variablen Vergütungsbestandteile in diesem Jahr noch geringer ausfallen", sagt Christian Näser, Vergütungsexperte bei Kienbaum. Für das laufende und das kommende Jahr erwartet er deshalb Stagnation bei den Gehältern von Ingenieuren.

Rückgang bei variabler Vergütung

Nach der Kienbaum-Studie liegen unter den Führungskräften Werkleiter mit durchschnittlich 125.000 Euro an der Einkommensspitze. Der Leiter Qualitätsmanagement bekommt 90.000 Euro, sein Kollege in der Arbeitsvorbereitung 78.000 Euro im Jahr. Bei den Fachkräften reicht die Gehaltsspanne vom Sachbearbeiter in der Materialwirtschaft und Logistik von 45.000 Euro bis zum Produktmanager mit 81.000 Euro Jahreseinkommen.

Im vergangenen Jahr erhielten 77 Prozent der Führungskräfte eine variable Vergütung von durchschnittlich etwa 21.000 Euro. In beiden Fällen war das jeweils ein leichter Rückgang gegenüber dem Vorjahr. Bei den Fachkräften bekam lediglich jeder zweite eine Erfolgszulage, sie lag durchschnittlich bei 7300 Euro. Hier sind die Rückgänge gegenüber 2008 wesentlich stärker als bei den Führungskräften: die Verbreitung der variablen Vergütung sank bei den Fachkräften um 16 Prozent und die Höhe verringerte sich um 19 Prozent. Beides sind Auswirkungen der wirtschaftlich schlechten Lage. Doch technisches Fach- und Führungspersonal ist gefragt, deshalb zählen Ingenieure immer noch zu den besser Verdienenden.

VDI nachrichten: Einsteiger kaum betroffen

Weil Berufseinsteiger eher keine und wenn dann, nur geringe Gehaltsbestandteile am Gesamteinkommen haben, wirkt sich auf sie die Krise weniger aus. Ihr Einkommen stieg 2008 gegenüber 2007 um durchschnittlich drei Prozent auf rund 39.000 Euro. Das ist das Ergebnis der Einkommensstudie 2008 der VDI nachrichten, die auf den Einkommensdaten von fast 19.000 Ingenieuren beruht und die im Zeitraum von Januar 2007 bis Juni 2008 an einem Gehaltstest teilgenommen haben.

Hierbei zeigt sich klar: in den Branchen, in denen Personal gesucht wird, steigen auch die Gehälter, etwa im Energiesektor. So schossen die Einstiegsgehälter in der Energiebranche in den vergangenen beiden Jahren geradezu in die Höhe und liegen derzeit bei rund 43.500 Euro. In keinem anderen Industriezweig sind die Verdienstmöglichkeiten für Absolventen besser. Berufsanfänger im Baugewerbe verdienen 33.000 Euro, in anderen Spitzenbranchen wie Chemie, Pharma und dem Fahrzeugbau bekommen Ingenieure als Berufseinsteiger um die 42.000 Euro.

Wichtige Faktoren: Branche und Unternehmensgröße

Zwar erreichen Berufseinsteiger im Energiesektor die höchsten Anfangsgehälter, doch mit steigender Funktion verlieren sie deutlich an Boden. Auf Abteilungsleiterebene liegen sie mit 73.000 Euro im unteren Mittelfeld. In dieser Position zahlt die Computerbranche (83.700 Euro), gefolgt vom Automobilbau (81.600 Euro) die höchsten Gehälter. Schlusslicht ist auch hier das Baugewerbe mit 58.800 Euro.

Die Branche ist ein wesentliches Kriterium für das Gehalt, die Unternehmensgröße ein weiteres. Denn während Berufseinsteiger in kleinen Unternehmen mit höchstens 50 Mitarbeitern jährlich 36.000 Euro verdienen, zahlen Großunternehmen bis zu 8000 Euro mehr. Diese Unterschiede nehmen mit steigender Position im Unternehmen zu. Bereichsleiter in Betrieben mit bis zu 50 Beschäftigten verdienen durchschnittlich 61.000 Euro, in Konzernen mit mehr als 5000 Beschäftigten dagegen bis zu 105.000 Euro.

Jobwechsel bringt bis zu 20 Prozent mehr Gehalt

Bleibt die Frage: Wo können sich Ingenieure informieren, was sie verdienen können? Berufseinsteiger haben es hier nach Meinung von Näser leicht: "Häufig liegt hier ein Tarifgehalt zugrunde. Insofern genügt ein Anruf bei der IG-Metall und schon weiß man, was man verdienen kann." Wenn das Unternehmen nicht tarifgebunden ist, hätten Absolventen zahlreiche Möglichkeiten, sich darüber zu informieren, was sie verlangen können: Studien oder Kommilitonen, die schon einen Job haben, nennt Näser als Beispiele.

"Deutlich schwieriger haben es Berufserfahrene, für sie sind Kontakte in das Unternehmen die einzige brauchbare externe Informationsquelle, etwa Bekannte, in einer ähnlichen Funktion und Position", so der Vergütungsexperte. Ein weitere Anhaltspunkt sei das eigene Gehalt, plus die zu erwartende Steigerung bei einem Wechsel. "Wer heute freiwillig wechselt, kann in derselben Funktion fünf bis zehn Prozent mehr verlangen. Ist der Wechsel mit einem Aufstieg der Position verbunden, sind durchaus 20 Prozent mehr als bisher drin."

(Peter Ilg, Juli 2009 / Bild: Sergej Seemann, Fotolia.com)

 

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