Branchentrend Banken
Über den Arbeitsmarkt bei Bankjobs lassen sich zwar pauschale Aussagen treffen, ihre Bedeutung für den einzelnen Banker ist allerdings gering. Denn der Arbeitsmarkt entwickelt sich sehr heterogen.
Banker: Keine Massenentlassungen in Deutschland
Während der Finanzkrise hatte man gelegentlich den Eindruck, dass die Banken ihre Mitarbeiter teils gleich in Hundertschaften entließen. Doch davon konnte in Deutschland keine Rede sein. Denn selbst in dieser Zeit lag die Arbeitslosigkeit bei Bankern nie höher als 2,8 Prozent, wie Zahlen der Bundesagentur für Arbeit belegen.
"Die Beschäftigungsentwicklung bei den Banken muss man sehr differenziert betrachten", sagt Gerd Benrath, Hauptgeschäftsführer beim Arbeitgeberverband Banken, der das private Kreditgewerbe repräsentiert. "Betrachtet man die gesamte Branche sinkt die Zahl der Stellen von Jahr zu Jahr, aber selbst in der Finanzkrise gab es Regionalbanken, die Personal aufgebaut haben."
Viele Fusionen und Übernahmen von Banken
Freilich ist der Trend zur Konsolidierung durch Fusionen und Übernahmen natürlich nicht zu leugnen, der auch nicht spurlos an der Zahl der Arbeitnehmer vorbeigeht: Die Zahl der im gesamten Kreditgewerbe Beschäftigten lag Ende vergangenen Jahres laut Arbeitgeberverband Banken noch bei 657.000, knapp ein Prozent weniger als 2009. Diese Abnahme dauert bereits seit der Jahrzausendwende an und zieht sich durch alle Säulen des Kreditgewerbes — private Banken, Sparkassen und Landesbanken sowie Genossenschaftsbanken. Vor allem in den administrativen Bereichen fallen Stellen weg.
Arbeitsmarktindex für Banker heißt Frax
Dirk Rudolph, Wissenschaftler an der Frankfurt School of Finance & Management, erhebt seit Sommer 2007 den Arbeitsmarktindex Frax, um das Stellenangebot für Banker zu charakterisieren. Der Frax ist quasi ein Maß für die zu erwartende Zeit, die ein Arbeitssuchender einplanen muss. Erreicht der Frax hohe Werte, ist das ein gutes Zeichen für Arbeitssuchende. Nachdem sich der Arbeitsmarktindex im vergangenen Jahr noch sehr zögerlich entwickelte, teilweise sogar wieder sank, steigt er seit Ende 2010 kontinuierlich an. "Zwar bewegt sich das Angebot an offenen Stellen im Juni noch nicht auf dem Niveau des Jahres 2007, also vor Ausbruch der Finanzkrise, aber hat einen neuen Höchstwert erreicht", so Rudolph.
Junge Banker sind gesucht
Dass die Banken verstärkt Mitarbeiter suchen, kann auch Raymond Homo bestätigen, der Geschäftsführer des auf das Kreditgewerbe spezialisierten Personaldienstleisters Bankpower ist, einem Joint Venture zwischen Deutscher Bank und Manpower: "Hatten wir im Rahmen der Arbeitnehmerüberlassung vor dem Jahr 2009 jemanden vermittelt, haben die Banken erst nach einem oder eineinhalb Jahren signalisiert, dass sie den Mitarbeiter übernehmen wollen. Heute passiert das häufig bereits innerhalb der ersten sechs Monate." Bankpower vermittelt Banker vom ausgebildeten Bankkaufmann über Hochschulabsolventen bis zu Berufserfahrenen. "Besonders junge Banker zwischen 25 und 35 Jahren sind sehr gesucht", sagt Homo. "Die Art der zu besetzenden Stellen reicht von der Sachbearbeitung bis zur höheren Vermögensberatung."
Laut Georg Albes, Director beim Personaldienstleister Robert Half International in Frankfurt, stellen die Banken vor allem fürs Privat- und Firmenkundengeschäft ein, aber auch im Investment-Banking und im Bereich Treasury & Risk. "Mit Blick auf das Privat- und Firmenkundengeschäft sind Mitarbeiter gesucht, die stark im Vertrieb sind, Erfolge vorweisen können, und in der Lage sind, Kundenbeziehungen aufzubauen", sagt Albes. "Gerne nehmen die Banken hierfür jüngere Mitarbeiter mit erster Berufserfahrung."
Chancen für ältere Banker im Private Banking
Auch wenn der Fokus der Arbeitgeber auf jüngeren Bankern liegt, sind ältere Bewerber nicht chancenlos. "Gerade im Private Banking, also der Betreuung vermögender Privatkunden, sind sehr versierte Mitarbeiter gesucht, die aufgrund ihrer Lebenserfahrung der zu betreuenden Klientel auf Augenhöhe begegnen können", sagt Albes. Verschiedene Experten gehen davon aus, dass überhaupt das Privatkundengeschäft vor dem Hintergrund einer älter werdenden Gesellschaft sich zunehmend zu einem Arbeitsfeld für ältere Banker entwickeln wird.
In der Branche ist dieser Trend laut Gerd Benrath vom Arbeitgeberverband Banken durchaus auch statistisch erkennbar: "Vor sieben Jahren war jeder Sechste älter als 50, im vergangenen Jahr war es bereits jeder Vierte." Wobei Benrath auch keinen Hehl daraus macht, dass gerade 2010 Vorruhestands- und Teilzeitregelungen in der Branche zugenommen haben.
Gehaltsaussichten für Banker
So vielfältig wie die deutsche Bankenlandschaft und ihr Personalbedarf sind, so unterschiedlich fallen auch die gezahlten Gehälter für Banker aus. Vergleiche oder pauschale Statistiken sind daher mit Vorsicht zu genießen. Prinzipiell gilt die Regel, dass Privatbanken für vergleichbare Positionen mehr bezahlen als Sparkassen oder Genossenschaftsbanken, und dass die Gehälter stark von der Bilanzsumme des Instituts abhängen.
Laut den Gehaltsanalysen der Personalberatung Kienbaum steigen Absolventen mit einem Master in Banken mit durchschnittlichen Jahresgehältern zwischen 40.000 und 45.000 Euro ein, Fachhochschüler mit 39.000 bis 42.000 Euro. Als Abteilungsleiter eines Kreditinstituts mit einer Bilanzsumme von zwei bis drei Milliarden Euro verdient man bei einer Genossenschaftsbank oder Sparkasse etwa 70.000 Euro plus/minus 20 Prozent, bei einer Privatbank 105.000 Euro plus/minus 20 Prozent.
Führungskräfte sind selten tarifgebunden
"Mit steigender Position geht diese Schere immer weiter auseinander", sagt Martin von Hören, Mitglied der Geschäftsleitung und Partner bei Kienbaum Management Consultants. Das hat auch einen ganz pragmatischen Grund. Bei Privatbanken unterliegen Gruppenleiter häufig noch dem Tarif, Positionen darüber sind außertariflich eingruppiert. Dagegen gelten die Tarifgehälter bei Sparkassen für eine sehr viel größere Spanne an Stellen, weil der Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes, der auch für Sparkassen gilt, aufgrund seines klassischen Geltungsbereiches auch höhere Positionen abdecken muss. "So kommt es", sagt von Hören, "dass bei kleinen Sparkassen selbst Bereichsleiter noch dem Tarif unterliegen können."
(Michael Vogel, Oktober 2011 / Bild: Raimundas)
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