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Arbeitsmarkt Pharma

Pharmaforscher"Forschung ist die beste Medizin" — unter diesem Motto rührt der Verband forschender Arzneimittelhersteller seit einigen Jahren in TV-Spots die Werbetrommel für die Pharmaforschung. Pharmaforscher haben einen krisensicheren Beruf mit guten Gehaltsaussichten. Allerdings ist die Größe dieses Arbeitsmarktsegments überschaubar.

 

 

Der Verband repräsentiert nach eigenen Angaben rund zwei Drittel des gesamten deutschen Arzneimittelmarktes; 17.000 der rund 90.000 Beschäftigten seiner Mitgliedsunternehmen arbeiten in Forschung und Entwicklung. Zahlen, die belegen, dass hierzulande die Menge der Jobs in der Pharmaforschung überschaubar bleibt.

Konstanter Personalbedarf

Aber es ist ein Teil des Arbeitsmarktes, der auch Wirtschaftskrisen relativ unbeschadet übersteht, denn durch die langen Vorlaufzeiten, bis ein Präparat vom Arzt eingesetzt werden kann — Stichwort klinische Studien —, lässt sich Pharmaforschung kaum konjunkturabhängig betreiben.

"Daher gibt es in diesem Bereich beim Personalbedarf keine starken Ausschläge nach oben oder unten", sagt Reinhardt Bergauer, Inhaber der auf die Healthcare-Branche spezialisierten Personalberatung PP Pharma Planing Dr. Bergauer + Partner GmbH. "Die Entwicklung des Bedarfs ist eher mit einem steten, kontinuierlichen Strom zu vergleichen — mit einer leichten Tendenz zum verstärkten Aufbau von qualifizierten, hochwertigen Stellen."

Immerhin: Laut dem Bundesverband der pharmazeutischen Industrie (BPI) stieg die Zahl der Beschäftigten in der Pharmaforschung zwischen 2001 und 2009 um etwa 30 Prozent auf gut 20.000, während sie in der gesamten chemischen Industrie in diesem Zeitraum stagnierte. Aktuellere Zahlen liegen nicht vor.

Pharmazeuten und Mediziner sind begehrt

Petra Reinholz, Geschäftsführerin der Adecco Personaldienstleistungen GmbH, stellt fest, dass "die Stellenangebote von Pharmaunternehmen insgesamt im Vergleich mit anderen Branchen sehr hohe Anforderungsprofile aufweisen". Dies lasse sich auf den hohen Anteil an Forschungs- und Entwicklungsaufgaben sowie auf den Bedarf an Pharmaberatern zurückführen. Der Adecco-Stellenindex erfasst die Jobofferten in 40 ausgewählten Printmedien in Deutschland.

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An dem Index lassen sich Struktur und Veränderungen des Stellenmarktes ablesen. Demnach haben in diesem Jahr bis Ende Oktober knapp sieben Prozent der 1400 Ausschreibungen in der Pharmabranche explizit Positionen in Forschung und Entwicklung gegolten. Das ist vergleichbar mit dem Niveau des Vergleichszeitraums im Vorjahr. Aufgeschlüsselt nach gesuchten Fachrichtungen tauchten unter den gesuchten Qualifikationen am häufigsten Pharmazeuten auf, gefolgt von Medizinern, Biologen, Chemikern und anderen Naturwissenschaftlern.

Der Bedarf an Akademikern steigt

Laut Reinhardt Bergauer suchen sowohl große Pharmafirmen, als auch investorenfinanzierte Biotech-Unternehmen und Dienstleister Personal für Forschung und Entwicklung. Zu den Dienstleistern gehören unter anderem die Auftragsforschungsinstitute, die für Pharma-Unternehmen klinische Studien mit neuen Wirkstoffen oder für neue Indikationen durchführen. "Bei ihnen ist zu beobachten, dass ihr Bedarf an höher qualifizierten Mitarbeitern steigt", weiß Bergauer. "Für Positionen, die früher zum Beispiel mit Technischen Assistenten besetzt wurden, sind nun zunehmend Akademiker gefragt, da die Anforderungen in den Studien immer komplexer werden."

Kleine und mittelständische Firmen überwiegen in der Pharmabranche

Der BPI nennt unter Berufung auf das Statistische Bundesamt eine Zahl von rund 900 pharmazeutischen Unternehmen in Deutschland. Darunter natürlich auch viele, die keine eigene Forschung betreiben. Rund vier Fünftel dieser 900 Firmen haben weniger als hundert Mitarbeiter, nur gut fünf Prozent mehr als 500. Mit anderen Worten: Die Pharmabranche wird durch wenige große, oft multinationale, Konzerne sowie durch sehr viele kleine und mittelständische Firmen geprägt.

Pharmaforschung: Große Unterschiede im Gehalt

Diese breite Streuung ist auch bei den Gehältern feststellbar, die in der Pharmaforschung gezahlt werden. Laut den Vergütungsexperten der Personalberatung Kienbaum steigen Absolventen in der Pharmaindustrie im Schnitt mit 45.000 Euro ein, wobei die Unterschiede deutlich sein können. Eine Promotion zahlt sich aus: Große Pharmaunternehmen haben sich in der Regel dem Bundesarbeitgeberverband Chemie angeschlossen. Laut dem dort geltenden Tarifvertrag für akademische Angestellte liegen die Mindestjahresbezüge im zweiten Beschäftigungsjahr bei rund 55.000 Euro für diplomierte Angestellte und knapp 65.000 Euro für Angestellte mit Promotion.

Große Unternehmen zahlen weit mehr als kleine

Ein typischer Karriereschritt eines Forschers in der Pharmabranche ist die Position des Laborleiters. Auch macht sich hinsichtlich des Einkommens deutlich bemerkbar, ob ein Laborleiter bei einem kleinen oder großen Unternehmen arbeitet. So kommt er laut Kienbaum in Unternehmen bis 50 Millionen Jahresumsatz auf Gesamtbezüge zwischen 70.000 und 77.000 Euro, während ein Laborleiter in Unternehmen mit mehr als 250 Millionen Euro Jahresumsatz zum Teil deutlich jenseits der 100.000 Euro liegt.

Laut Reinhardt Bergauer kann durch diese großen Unterschiede die Bewerbung eines Kandidaten auf eine Stelle in der Pharmaforschung scheitern: "Natürlich zählen Fachwissen und Erfahrung sehr stark, aber wenn man mit seinen Gehaltsvorstellungen aus dem üblichen Gefüge eines Unternehmens deutlich herausfällt, hat man keine Chance." Prinzipiell zahle die Industrie besser als Dienstleister. Dagegen spiele das Alter der Bewerber inzwischen überall keine primäre Rolle mehr, so Bergauer. "Im Vordergrund stehen Fachwissen und Expertise."

( Michael Vogel, Januar 2012 / Bild: Franz Pfluegl )



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