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Arbeitsmarkt für Führungskräfte

ManagerFlache Hierarchien und der Trend zur Projektarbeit — trotzdem sind die Chancen von Führungskräften auf dem Arbeitsmarkt nicht schlecht. Die demografische Entwicklung und boomende Märkte machen es möglich.

 

 

Je höher man steigt, desto schlechter wird die Sicht — zumindest wenn es um den Stellenmarkt für Führungskräfte geht. "Ab Jahresgehältern von 120.000 Euro suchen meistens Personalvermittler nach geeigneten Kandidaten, wenn das beauftragende Unternehmen eine Position nicht intern besetzen kann", weiß Sörge Drosten, Geschäftsführer und Partner der Kienbaum Executive Consultants International GmbH.

Das Netzwerk für die Karriere

Je höher eine Führungskraft also in der Hierarchie eines Unternehmens nach oben klettert, desto wichtiger wird ein funktionierendes Netzwerk auch für den nächsten Karrieresprung. Denn das eigene Netzwerk ist auch für Personalvermittler, die im Bereich Executive Search tätig sind, die erste Adresse, noch bevor sie womöglich doch eine Stelle öffentlich ausschreiben.

Laut dem Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) hat die Personalberatungsbranche im vergangenen Jahr bei der Besetzung von rund 45.000 Positionen für Fach- und Führungskräfte mitgeholfen. Jede vierte dieser Positionen betraf die Suche nach einem Kandidaten für die Vorstands- oder Geschäftsführungsebene, so das Ergebnis einer BDU-Studie, die im Mai veröffentlicht worden ist. Die befragten Personalberater erwarten für die Zukunft, dass vor allem Führungskräfte mit zehn bis 15 Jahren Berufserfahrung bei der Besetzung von leitenden Positionen sehr gefragt sein werden. Eine Zahl, die Kienbaum-Berater Drosten als "absolut nötig" bezeichnet, "um eine Topposition ausfüllen zu können".

Kein Wachstum, nur Ersatzbedarf

Der Bedarf an Führungskräften fällt von Unternehmen zu Unternehmen natürlich sehr unterschiedlich aus. "Es ist auch nicht so, dass die absolute Zahl der Führungspositionen wachsen wird", sagt Stefan Diemer, Managing Partner bei Gemini Executive Search GmbH. Im Zeitalter der flachen Hierarchien und der Arbeit in Matrix-Organisationen, wo Fach- und disziplinarische Führung in getrennten Händen liegen, gibt es sogar weniger klassische Linienkarrieren.

Aber der Ersatzbedarf an Führungskräften bleibt davon unbeeinflusst, was laut Diemer zwei Gründe hat: "Durch die demografische Entwicklung scheiden zunehmend ältere Führungskräfte aus den Unternehmen aus. Und es gibt einen nicht zu vernachlässigenden Anteil an etablierten Führungskräften, die sich zum Beispiel in einer Matrix-Organisation nicht wiederfinden, da ihnen die direkte Einflussnahme fehlt und deshalb das Unternehmen verlassen."

Angst vor internationaler Konkurrenz unbegründet

Die Annahme, dass Bewerber auf Führungspositionen mit internationaler Konkurrenz rechnen müssen, ist dagegen unbegründet. Trotz der Globalisierung ist die Besetzung von Führungspositionen bis hinauf in die Vorstandsetagen der börsennotierten Konzerne nämlich eine weitgehend nationale Angelegenheit, wie der Soziologieprofessor Markus Pohlmann vor gut zwei Jahren ermittelt hat: Einen internationalen Arbeitsmarkt für Manager, die mit Leichtigkeit zwischen den Chefetagen der Weltkonzerne wechseln, gebe es nicht, lautet das Fazit des Wissenschaftlers. So waren unter den Vorständen der hundert größten Unternehmen in den USA im Jahr 2005 nur fünf, die nicht in den Vereinigten Staaten aufgewachsen sind.

Noch niedriger fiel diese Quote in Japan oder Frankreich aus. In Deutschland waren es immerhin neun ausländische Vorstandsvorsitzende bei den hundert größten Unternehmen — die dann aber in der Mehrheit aus der Schweiz oder Österreich stammten. Selbst unterhalb der ersten Führungsebene fand Pohlmann keine Hinweise darauf, dass es im oberen und mittleren Management der großen global tätigen Konzerne einen solchen weltweiten Arbeitsmarkt für Führungskräfte gibt: Auch dort dominierten "Hauskarrieren"; Auslandsentsendungen waren mehrheitlich von Vornherein auf Zeit angelegt — egal, ob es sich um deutsche oder US-amerikanische Unternehmen handelte.

Ideal: Leidenschaftliche Visionäre mit interkultureller Kompetenz

Womit ein Bewerber auf eine Führungsposition — unabhängig von der eigenen Fachkompetenz und der Branche — rechnen muss, ist ein ganzes Bündel an Anforderungen. "Eine Führungskraft muss Visionen haben und diese auch mit ihren Mitarbeitern teilen können", sagt Kienbaum-Berater Drosten. "Und da Unternehmen heutzutage meistens globale Strategien verfolgen, muss die Führungskraft ein interkulturelles Verständnis mitbringen und die internationalen Märkte kennen." Motivationsfähigkeit und Leidenschaft seien weitere wichtige Eigenschaften.

Zeit zur Einarbeitung ist selten

Gemini-Berater Diemer weist darauf hin, dass es für Führungskräfte heute sehr wichtig ist, schnell und effizient handeln zu können: "Einem Geschäftsführer oder Bereichsleiter billigt man die sprichwörtlichen hundert Tage kaum noch zu. Er muss dafür sorgen, dass Konzepte und Strategien bereits in den ersten Monaten spürbaren Erfolg zeigen und er sollte mit den Aufsichtsgremien intensiv kommunizieren."

Eine ähnliche Erwartungshaltung existiere auch auf Seiten der Belegschaft, so dass es vor diesem Hintergrund für eine neue Führungskraft "nichts Schlimmeres gibt, als nichts Spürbares zu tun". Trotzdem dürfe eine neue Führungskraft nicht einfach Modelle, mit denen sie in anderen Unternehmen erfolgreich war, dem neuen Unternehmen überstülpen. "Dazu neigen vor allem Manager, die in Konzernen sozialisiert wurden", so Diemers Beobachtung. Doch es sei ja nicht alles zwangsläufig schlecht gewesen, was der Vorgänger gemacht habe.

Gehaltsaussichten für Führungskräfte

Für diese hohen Anforderungen bekommen Führungskräfte durchaus auch ein gutes Salär, wobei die Zahlen natürlich stark von Branche und Unternehmensgröße abhängen. Laut einer Studie von Kienbaum verdienten leitende Angestellte der zweiten Ebene im laufenden Jahr durchschnittlich 102.000 Euro, während ihre Kollegen auf der ersten Ebene unterhalb der Geschäftsführung Jahresgesamtbezüge in Höhe von 139.000 Euro erhielten. 39 Prozent aller Führungskräfte lagen zwischen 50.000 bis 100.000 Euro, immerhin ein Fünftel verdient mehr als 150.000 Euro. Spitzenreiter waren die Gesamtleiter der kaufmännischen Bereiche mit durchschnittlich 159.000 Euro pro Jahr. Ganz hinten liegen dagegen leitende Angestellte in der Arbeitsvorbereitung und Produktionsplanung mit im Schnitt 82.000 Euro. In Unternehmen mit einem Umsatz zwischen 25 und 50 Millionen Euro erhielten Führungskräfte der ersten Ebene durchschnittlich 114.000 Euro im Jahr, während eine Tätigkeit auf derselben Hierarchieebene in Unternehmen mit einem Umsatz von 500 bis 1500 Millionen Euro mit durchschnittlich 155.000 Euro vergütet wurde.


(Michael Vogel, November 2011 / Bild: Friedberg )



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