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Arbeitsmarkt für Juristen

Der Arbeitsmarkt für angestellte Juristen hat sich in diesem Jahr deutlich belebt. Große Wirtschaftskanzleien und — in geringerem Maße — Unternehmen suchen verstärkt nach Bewerbern.

 

 

Seit Anfang des Jahres stehen die Zeichen für Juristen, die eine Anstellung suchen, wieder auf Grün. Mit der überwundenen Wirtschaftskrise im Rücken signalisierten vor allem die großen Wirtschaftskanzleien, dass sie wieder verstärkt Juristen einstellen wollen. Dieser Trend hat sich im bisherigen Verlauf des Jahres bestätigt. "Der Optimismus der Wirtschaftskanzleien hielt trotz Eurokrise an", bestätigt Bina Brünjes, Abteilungsleiterin beim Personalvermittler Hays.

Der Bedarf an jungen Juristen wächst wieder

Das Magazin "Azur", das sich an Jurastudenten und -referendare richtet, rechnete in seinem jährlichen Arbeitsmarkt-Ranking für 2011 einen voraussichtlichen Bedarf von 1850 Berufseinsteigern bei den 170 befragten deutschen Wirtschaftskanzleien hoch — ein Viertel mehr Einstellungen als ein Jahr zuvor. Auch Unternehmen und Behörden signalisierten laut "Azur" einen steigenden Bedarf gegenüber 2010, wenn auch nicht so stark wie bei den Wirtschaftskanzleien.

Ein Freifahrtschein für Bewerber ist das allerdings nicht: "In den Kanzleien herrscht schon ein etwas größerer Budgetdruck", sagt Brünjes, "wenn ein Kandidat nicht voll überzeugt, wird er auch nicht eingestellt." Das sei nicht immer so gewesen.

Großkanzleien stellen hohe Anforderungen

Noch immer haftet den Großkanzleien eine besondere Aura an, vergleichbar mit den international tätigen Managementberatungen: Die Bewerber müssen gute Noten vorweisen und trotzdem muss von drei Neueinstellungen nach einem Jahr zumindest der schlechteste Mitarbeiter gehen. Die Arbeitszeiten sind ausufernd — Wochenenden inklusive —, und der Aufstieg zum Partner ist Pflicht, will man dauerhaft bestehen können.

Dabei wird immer am großen Rad gedreht, denn die Beratung und Unterstützung von Unternehmen bei Fusionen und Akquisitionen sind das Alltagsgeschäft der Wirtschaftskanzleien. "Noch immer stehen diese Kanzleien in dem Ruf, die beste Berufsausbildung für Juristen zu bieten", sagt Brünjes.


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Kanzleien zahlen die höchsten Gehälter

Und die höchsten Gehälter. In den Top-20-Kanzleien steigen Kandidaten in der Regel mit 85.000 bis 125.000 Euro ein, Bonus inklusive. Im Vergleich dazu nehmen sich die Einstiegsgehälter bei Unternehmen häufig direkt bescheiden aus, obwohl sie ebenfalls zwischen 40.000 und 60.000 Euro liegen. Bei einem DAX-Unternehmen können es auch 80.000 bis 85.000 Euro sein.

Während die Gehälter bei den größten Kanzleien im Lauf der folgenden Berufsjahre in der Regel weiter spürbar steigen, gibt es diese Entwicklung bei spezialisierten und kleineren Kanzleien nicht. Ein Leiter der Rechtsabteilung in einem Unternehmen erreicht irgendwann eine Gehaltsobergrenze, die er nur noch durch einen Wechsel ins Management oder die Unternehmensleitung durchstoßen könne, so Stefanie Schauer vom Personalvermittler Legal People, in einer aktuellen Einschätzung des Juristenarbeitsmarktes.

Gute Examensnoten bilden die Grundvoraussetzung

Wichtige Einstellungskriterien für Juristen sind Fremdsprachenkenntnisse, vor allem natürlich Englisch und Soft Skills. Schlechte Examensnoten dagegen erweisen sich als das größte Hemmnis für einen Juristen. "Tendenziell hilft dagegen auch keine Berufserfahrung", sagt Olaf Hendrik Szangolies, Executive Manager beim Personalvermittler Michael Page International. "Wer die beiden Staatsexamen jeweils nur mit ‚ausreichend' abschließt, wird auch mit mehreren Jahren beruflicher Tätigkeit und zwei, drei Jobwechseln keinen anspruchsvollen Leiter einer Rechtsabteilung überzeugen können." DAX-Unternehmen zum Beispiel bleiben einem solchen Bewerber oft dauerhaft als Arbeitgeber verwehrt.

Auch ältere Bewerber haben wieder Chancen

Laut Szangolies suchen Unternehmen primär "juristische Generalisten, die einen breiten Überblick über rechtlich relevante Themen haben". Werde es speziell, ziehe die Mehrzahl der Unternehmen lieber Juristen von externen Dienstleistern hinzu. "Ausnahmen findet man bei sehr großen Unternehmen wie zum Beispiel DAX- oder MDAX-Konzernen, die manchmal Spezialisten für Bereiche wie Aktien- und Gesellschaftsrecht, Intellectual Property oder Vertrieb in gesetzlich regulierten Märkten suchen." Szangolies hat festgestellt, dass manche Unternehmen inzwischen auch verstärkt berufserfahrenen Juristen eine Chance geben, die die vierzig bereits weit überschritten haben. Noch vor wenigen Jahren seien fast ausschließlich jüngere Bewerber gefragt gewesen, wenn es um klassische Positionen als Legal Counsel ohne Personalverantwortung ging.

Eine Quelle für solche Kandidaten sind Juristen, die bei den großen Kanzleien eingestiegen sind und nun in die Wirtschaft wechseln wollen. "Während ein Teil der Unternehmen solche Bewerber gerne nimmt, weil sie exzellent ausgebildet sind, haben andere Unternehmen Vorbehalte, befürchten, dass sich solche Juristen nur schwerlich ins Unternehmen integrieren lassen, da sie nicht wüssten, wie Unternehmen funktionieren", sagt Szangolies. Es gebe aber auch ganz handfeste Gründe, die manchem Bewerber, der sich in einer Wirtschaftskanzlei seine ersten Sporen verdient hat, einen Wechsel erschweren: "Er kann beim Gehalt und den Zusatzleistungen einen spürbaren Rückschritt bedeuten."

Daher sollte laut Bina Brünjes ein Wechsel von einer Wirtschaftskanzlei in ein Unternehmen nach zwei, drei Jahren erfolgen, nicht später: "Dann sind die die Ansprüche des Bewerbers und die Erwartungen des neuen Arbeitgebers besser in Einklang zu bringen."

(Michael Vogel, Januar 2012 / Bild: nicolasjoseschirado)



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